Musiker und Schauspieler Cesár Simpson sitzt auf einem antiken Sofa vor einer blauen Wand und gibt neunerhaus ein Interview

Es gibt keine falschen Töne

Musiker und Schauspieler Cesár Sampson im Gespräch mit neunerhaus Geschäftsführerin Daniela Unterholzner über Momente, in denen man „auf die Schnauze fällt“ und was beim Wieder-Aufstehen hilft

Daniela Unterholzner: Unsere aktuelle Kampagne Jede*n kann es einmal auf die Schnauze hauen ist durchwegs mutig. Wir waren doch etwas nervös, ob wir Promis finden, die sich mit Zahnlücken abbilden lassen.

Cesár Sampson: Ich kann mit der Message viel anfangen. Es ist nicht so, dass wir alle miteinander so unterschiedliche Leben leben. Wir genießen eine gewisse soziale Absicherung vom Staat – dennoch kann es im Endeffekt uns alle treffen. Wir sind trotzdem alle Menschen, die in Krisen geraten können. Davon ist niemand ausgenommen. Diese Krisen gehören zum Mensch-Sein dazu. Und gleichzeitig bin ich selbst gefestigt genug, dass mich dieses Thema nicht beängstigt. Alle, die das Plakat sehen, sollen sich denken: Wir sind alle Menschen, und ich spende auch deshalb, um mich daran zu erinnern.

Musiker und Schauspieler Cesár Sampson sitzt auf einem geblümten, antiken Sofa vor einer azurblauen Wand und spricht mit neunerhaus
© Christoph Liebentritt


Unterholzner: Hat es Sie schon einmal auf die Schnauze gehaut?

Sampson: Existenziell Gott sei Dank nicht. Ich würde das vielleicht auch nicht so wahrnehmen – ich würde immer versuchen, den Horizont und die Schönheit des Lebens zu sehen. Ich denke, das hilft auch viel beim Wieder-Aufstehen. Ich hätte Dinge in meinem Leben wesentlich härter beurteilen können, aber das hätte mich nur davon abgehalten, den nächsten Schritt nach vorne zu tun.

Unterholzner: Das heißt, Ihre Aufsteh-Hilfe ist ein positiver Blick auf die Welt?

Sampson: Ja. Ich habe auch Vertrauen in die Menschen um mich herum, sodass sich das Hinfallen nicht wie Hinfallen angefühlt hat, sondern eher wie eine Lebensübung: nicht bewerten, sondern reagieren und die Augen offen halten. Ich habe in anderen Lebensumständen mit weniger Gehalt gelebt und es ist mir auch nicht großartig aufgefallen, weil mein
Blickwinkel anders war auf die Situationen. Es ist wichtig, Leute um sich herum zu haben, die einem beim Aufstehen helfen, aber es ist noch wichtiger, sich selbst zu haben.

Unterholzner: Hatten Sie Menschen, die Ihnen das vorgelebt haben – oder Dinge, die Sie unterstützen?

Sampson: Ein Stückchen lernt man in der Musik, so zu denken. Vor allem, wenn man viel mit Improvisation arbeitet: Es hängt nur von deinem nächsten Schritt ab, ob der letzte Ton falsch war. Du entscheidest, ob der Ton falsch war oder Teil eines größeren Ganzen war, der wieder Sinn macht.

Wir sind trotzdem alle Menschen, die in Krisen geraten können.

Cesár Sampson


Unterholzner: Was bedeutet zuhause für Sie?

Sampson: Das ist ein Ort, an dem man all seine Schutzwände herunterfahren kann, wo man sensibel sein und sich aufs Fühlen konzentrieren kann: Wer bin ich, wie ist mein eigenes Wohlbefinden?

Unterholzner: Was wünschen Sie neunerhaus und den Menschen, die wir unterstützen, vor allem jetzt zu Weihnachten?

Sampson: Ich wünsche neunerhaus, dass es weiterhin so tolle Arbeit leistet und den Menschen auch in der besinnlichen Zeit einen schönen Rahmen bietet. Und dass sich immer mehr Leute finden, die die Arbeit von neunerhaus kennenlernen. Winter ist eine besinnliche Zeit, auch ohne Weihnachten, da gibt es immer wieder Gelegenheiten, um kleine Wunder wahr werden zu lassen.

Unterholzner: Vielen Dank für das Gespräch!

Cesár Sampson mit Zahnlücke für die neunerhaus Kampagne Jede*n kann es einmal auf die Schnauze hauen
Jede*n kann es einmal auf die Schnauze hauen

Es geht oft schnell, unerwartet und unmittelbar: Ein Schicksalsschlag oder eine akute Krise können von einem Moment auf den anderen alles ins Wanken und Menschen in massive Notlagen bringen. Manchmal sind es auch schleichende Verschlechterungen, durch die Menschen aus dem Gleichgewicht kommen.

Jede*r kann einmal stolpern, ins Straucheln kommen, auf die Schnauze fallen. Aber wer ist da, um wieder auf zu helfen? Viele Menschen haben ein breites Netz an Freund*innen und Verwandten, die aushelfen, wenn’s mal brenzlig wird. Anderen fehlen Menschen, die sie durch eine Krise begleiten. Deshalb müssen wir als Gesellschaft dieses Netzwerk ersetzen und aufhelfen, wenn jemand zu Fall kommt.

Zur Kampagne

Das Interview wurde im Rahmen der neuner News 51 geführt. Unser Magazin erscheint drei mal im Jahr und kann kostenlos unter spenden@neunerhaus.at abonniert werden.