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»Auf Frauen hören. Auf Frauen schauen.«

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Frauen tragen viel gesellschaftliche Verantwortung – und bleiben doch oft unsichtbar. Ein Kommentar von Elisabeth Hammer.

Seit Ausbruch der Krise kommen Frauen seltener im öffentlichen Diskurs vor. Ihre spezifischen Lebenssituationen sind marginalisiert und ihre Expertise ist es auch. Wenn sie doch präsent sind, ist das entweder wohltuende Ausnahme oder aber einem Thema geschuldet: Über Frauen wurde in letzter Zeit besonders dann berichtet, wenn es um Gewalt ging. So haben wir neben Inzidenz, Fallzahlen und Varianten auch über Femizide gesprochen. Allerdings noch zu wenig über Ursachen und Präventionsmöglichkeiten. Ach ja, und den Frauentag gab es auch noch, der kommt ja alle Jahre wieder – und verschwindet mit all seinen Erkenntnissen und Anliegen jedes Jahr genauso schnell.

Frauen blieben oft unsichtbar

Dabei ist in der Pandemie noch deutlicher geworden, wie viel gesellschaftliche Verantwortung Frauen tragen. Job, Alltag, Familie – das alltägliche Jonglieren wurde mit Krisenausbruch noch schwieriger, viel
mehr Bälle mussten in noch schnellerem Tempo in der Luft behalten werden. Nichtsdestotrotz wurden die Bedürfnisse, Ansprüche und Interessen von Frauen und Kindern in der Pandemie kaum bis gar nicht
berücksichtigt. Sie wurden in die zweite Reihe verwiesen oder blieben komplett unsichtbar.

Unsichtbar, wie viele der Frauen, die auch noch zusätzlich mit dem Verlust der eigenen vier Wände konfrontiert sind. Dahinter steht eine Vielfalt von Gründen: geringes Einkommen, Kurzarbeit, Schulden, häusliche Gewalt, Scheidung oder Trennung, psychische Überforderung, Hürden bei der Suche nach leistbarem Wohnraum, vor allem für Alleinerziehende. So schnell eine Situation prekär werden kann – bis frau den Weg hinaus findet, kann es lange dauern.

Bei neunerhaus arbeiten wir seit Jahren daran, zielgruppengerechte und frauenspezifische Angebote zu finden. Was es aber gerade jetzt und ganz besonders braucht: Präventive, individuelle und mutige Unterstützungskonzepte für Frauen in der Krise und eine starke Diskussion mit ihnen gemeinsam dazu – frei nach dem Motto: die Dinge beim Namen nennen und in eine bessere Richtung verändern.

Elisabeth Hammer, neunerhaus Geschäftsführung

 

  • Foto: (c) Christoph Liebentritt
  • Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin neuner News, Ausgabe 44.
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