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»Die Aufgabe der Kunst ist, Themen sichtbar zu machen«

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Die neunerhaus Kunstauktion findet heuer zum 21. Mal statt – im MAK Wien und online. Ein Interview mit dem Künstler Christian Eisenberger.

Ein Gespräch mit Christian Eisenberger, der die neunerhaus Kunstauktion seit 15 Jahren mit seinen Kunstwerken unterstützt.  

Wie sind Sie zur Kunst gekommen? 

Christian Eisenberger: Ich habe eine Schlosserlehre gemacht und zwischen 15 und 19 in einer Papierfabrik gearbeitet. Danach habe ich die Grazer Ortweinschule besucht. Das hat sich so ergeben, aus Interesse an der kreativen Arbeit. Ich konnte nichts anderes und irgendwann wollte ich auch nichts anderes mehr. Ich habe dann zunehmend durch bildnerische Arbeit kommuniziert. Es wurde meine Ausdrucksform. Ich rede nicht so gerne, sonst wäre ich ja Schriftsteller oder Journalist geworden (lacht).

Welches Kunstwerk spenden Sie und warum?

Christian Eisenberger: Das Werk – es ist eine neuere, große Leinwandarbeit – wurde von Michael Walk (Kurator der neunerhaus Kunstauktion, Anm.) ausgesucht. Diesmal ist es ein besonders großes Bild, damit mehr Geld für neunerhaus gesammelt werden kann.

Welche Bedeutung hat es für Sie, mit Kunst Gutes zu tun?

Christian Eisenberger: Schlecht ist die Welt eh von selbst. Wie heißt der Spruch. “Tue jeden Tag Gutes.” 

In welchen Momenten hat Ihnen Kunst selbst schon einmal geholfen?

Christian Eisenberger: Eigentlich, seit ich begonnen habe. Ich füttere die ‚Bestie Kunst‘ und gehe gleichzeitig darin auf und unter. Es ist eine zwiespältige Sache mit der Kunst: man füttert sie und gleichzeitig wird man von ihr aufgefressen. 

Erinnern Sie sich an eine Begegnung mit einem obdachlosen Menschen?

Christian Eisenberger: Ja. Ich habe früher Pappfiguren aufgestellt. Das Material habe ich auf der Straße gesammelt. Einmal habe ich in Paris einen großen Waschmaschinenkarton auf der Straße entdeckt. Ich habe mein Stanley-Messer gezückt, um die Figur auszuschneiden. Beim Ausklappen der Figur ist mir das Herz stehen geblieben. Es war eine Obdachlosenunterkunft und ich habe es nicht bemerkt. Da war eine Decke drinnen und Polster und Utensilien und ich habe mir gedacht “Na bravo, jetzt hab ich da ein Haus ruiniert.” In Paris ist Obdachlosigkeit sichtbarer als in Wien. In Wien ist sie ja irgendwie getarnt und versteckt, in Paris hat man sie vor der Nase.  Die bemalten Pappfiguren habe ich im öffentlichen Raum aufgestellt. Da waren auch viele Bettler dabei, weil wer lebt und definiert denn den öffentlichen Raum? Das sind BettlerInnen und Obdachlose. Ich habe diese “Randfiguren” dargestellt. Der Karton selbst ist ja auch ein Nebenprodukt, in dem das eigentliche Produkt eingepackt wird. Ähnlich ist es oft mit den BettlerInnen: sie sind kein bewusstes Produkt, sondern ein Nebenprodukt unseres Wirtschaftens. Auch KünstlerInnen sind für mich mehr oder weniger eine Randerscheinung der Gesellschaft. Ich sehe die Gesellschaft eher von außen als von innen. Ich glaube BettlerInnen sehen die Gesellschaft auch von einer anderen Perspektive. Sie sind ja meistens gebückt, in einer Demutshaltung, und schauen von unten rauf. 

Welchen Beitrag kann Kunst zur Gesellschaft leisten?

Christian Eisenberger: Sichtbarmachung! Themen aufgreifen, die sonst eben nicht sichtbar sind. Das ist die Aufgabe der Kunst.   Vielen Dank für das Gespräch!

 

Kunst, die Gutes tut: 21 Jahre neunerhaus Kunstauktion

Die neunerhaus Kunstauktion findet zum 21. Mal statt. 196 Kunstwerke wurden für die diesjährige Auktion von KünstlerInnen gespendeten. Mit den Erlösen werden seit über 20 Jahren obdach- und wohnungslose Menschen mit Wohnen und medizinischen Angeboten unterstützt. Heuer findet die Auktion am Montag, 8.11.2021, im MAK und online statt.

Hier erfahren Sie, wie Sie online mitbieten können!

Alle Werke der 21. neunerhaus Kunstauktion als Galerie zum Durchklicken oder den gesamten Katalog als pdf zum Download!

Mehr dazu:

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Fotos: (c) neunerhaus

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