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„Hier nimmt man sich Zeit“

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Zehntausend PatientInnen wurden bisher in der neunerhaus Zahnarztpraxis behandelt. Man nimmt sich für alle Zeit, erklärt Dr. Heinrich.

Seit elf Jahren versorgt die Zahnarztpraxis als Teil des neunerhaus Gesundheitszentrums obdachlose, wohnungslose und nichtversicherte Menschen – kostenlos. Kürzlich erhielt hier der zehntausendste Patient seine Zahnbehandlung. Möglich macht das ein Team aus OrdinationsassistentInnen und ehrenamtlichen ZahnärztInnen, derzeit sind es 35, die von Montag bis Freitag obdachlose, wohnungslose und nichtversicherte Menschen behandeln.

Was für das neunerhaus Gesundheitszentrum im Allgemeinen gilt, trifft auch die Zahnarztpraxis: Seit Jahren steigt die Zahl der PatientInnen. Die Krise hat die Nachfrage zusätzlich verstärkt. Im März 2021 wurden durchschnittlich 20 Menschen pro Tag behandelt. An vielen Tagen gelangt die Praxis so an die Grenzen ihrer Kapazität.

Trotz dieser hohen Zahl an PatientInnen nimmt man sich aber für alle Zeit, erklärt Dr. Alexander Heinrich, der fast von Beginn der neunerhaus Zahnarztpraxis an mit dabei ist. Was ihn dazu bewegt, ehrenamtlich Menschen zu helfen, wie sich seine Arbeit für neunerhaus vom Ordinationsalltag abhebt und wie er PatientInnen die Angst vorm Zahnarzt nimmt, erzählt er im Kurzinterview.

neunerhaus: Was motiviert Sie, in Ihrer Freizeit PatientInnen in der neunerhaus Zahnarztpraxis zu behandeln?

Alexander Heinrich: Viele ÄrztInnen wollen helfen. Das kann man auch tun, wenn man nicht in der eigenen Ordination ist. Es gibt Leute, die Hilfe wirklich benötigen und diese Hilfe kann ich hier gut umsetzen.

neunerhaus: Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit hier zu der in Ihrer eigenen Ordination?

Alexander Heinrich: Hier machen wir eher Basis- und Schmerzbehandlung. In meiner Ordination decke ich da eine größere Bandbreite ab – auch komplexere Eingriffe. Einer der Gründe, warum ich gerne herkomme: Man kriegt viel zurück von den PatientInnen. Für die meisten Menschen ist es selbstverständlich, zum Arzt zu gehen und dort behandelt zu werden – hier sagen viele Menschen nochmal extra „Danke.“

neunerhaus: Viele haben auch Angst vorm Zahnarzt, speziell, wenn sie schon länger nicht dort waren. Was raten Sie Betroffenen?

Alexander Heinrich: Die Botschaft ist, dass wir uns hier Zeit nehmen. Wir haben nicht den ökonomischen Druck, dass wir in drei Minuten eine Behandlung machen müssen. So ist auch immer Zeit, um ein bisschen zu reden. Und da kann man viele Ängste abbauen.

neunerhaus: Mehr als 10.000 Menschen wurden in der neunerhaus Zahnarztpraxis schon behandelt. Gibt es PatientInnen, an die Sie sich besonders erinnern?

Alexander Heinrich: Es sind für mich nicht einzelne PatientInnen, sondern eher die Erinnerungen an die vielen kleinen Dankbarkeiten. Oft kommen auch Leute zurück und bringen uns zum Beispiel Krapfen vorbei. Das sind Menschen, die selbst nicht viel haben. Dann ist das schon etwas Besonderes!

 

Fotos: (c) Christoph Liebentritt

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Foto (c) Christoph Liebentritt