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"Humor ist ein Beruf"

|   Aktuelles

Kabarettist Klaus Eckl im Gespräch mit Geschäftsführerin Daniela Unterholzner

Daniela Unterholzner: Warten die Menschen, die Ihnen privat begegnen, immer auf die Pointe?

Klaus Eckel: Hoffentlich nicht. Wenn etwa KabarettistInnen zusammen kommen, sind das oft sehr trockene Gespräche. Der Grundauftrag des Humors ist Perspektivenwechsel, deswegen ist er auch eine Art Lebenshaltung. Aber Humorarbeiter ist eben auch ein Beruf, von dem man nach Hause kommt.

 

Daniela Unterholzner: Gibt es ein Ritual für diesen Perspektivenwechsel?

Klaus Eckel: Ich bin ja weniger an politischem Kabarett interessiert als viel mehr an dem, was uns Menschen ausmacht. Warum handeln wir so wie wir handeln? Was ist wichtig für ein zufriedenstellendes Leben? Darüber lese ich viel und unterhalte mich mit Menschen. Daraus versuche ich dann, kleine Geschichten mit viel Selbstironie zu formen. Ich hab auch ein Gedankenbuch als Speicher. Der Alltag lässt zudem viel Raum für Schlussfolgerungen.

 

Daniela Unterholzner: Und wie sehen diese Schlussfolgerungen aus?

Klaus Eckel: Ein vielschichtiges Thema, aber nehmen wir das Wohnen, das zeigt sehr gut das Gefälle in der Gesellschaft. Manche Leute wohnen in 300-m2-Burgen, andere teilen sich zu acht ein Zimmer und haben ganz andere Probleme. Aber auch wenn jemand Geld hat: In Wahrheit entstehen die schönsten Glücksgefühle durch menschliche Begegnung, durch Anerkennung und soziale Einbindung. Es geht darum, dass wir in der Früh wissen, warum wir aufstehen. Und es ist sehr traurig, dass viele Menschen das nicht haben. Und da geht es jetzt gar nicht um Materielles. Unsere Gesellschaft ist so darauf konzentriert, dass wir uns alle selbst optimieren, trotzdem ist nicht die große Zufriedenheit ausgebrochen. Viele Menschen stehen vor einer Leere und wissen nicht, womit sie sie füllen sollen. Ein neues Auto oder ein Chalet in Kitzbühel füllt sie jedenfalls eher nicht.

 

Daniela Unterholzner: Womit füllen Sie die Leere?

Klaus Eckel: Mit Familie, Freundinnen und Freunden. Und mit altruistischen Projekten etwa eine Wohnung, die ich Flüchtlingen zur Verfügung stelle. Das heißt nicht, dass ich ein toller Mensch bin. Ich finde Altruismus ist Egoismus in Reinform. Du bist nicht automatisch ein guter Mensch, wenn du was hergibst, du bist ein normaler Mensch! Das versuche ich auch meinen Kindern näher zu bringen: die andere Seite zu sehen, Dankbarkeit für das eigene Leben zu empfinden. Viele glauben, sie sind Kapitäne in ihrem Leben – ich nicht. Ein, zwei falsche Türen aufmachen, eine Krise erleben, eine Krankheit und man steht schon auf der anderen Seite. Sollte ich was Lustigeres erzählen? Wie gesagt: KabarettistInnen sind eigentlich ernste Leute.

 

Daniela Unterholzner: Es braucht schon auch Humor für schwierige Situationen…

Klaus Eckel: Sowieso. Humor hilft. Und was momentan tragisch ist, kann in der zeitlichen Rückschau ganz anders aussehen. Ich glaube, ich hätte mich nicht entwickelt, ohne schwierigere Phasen erlebt zu haben. Aber dass diese Weisheiten einem Menschen auf der Straße nicht helfen, ist klar. Da braucht es andere Mittel und Organisationen wie neunerhaus.

 

 

Zur Person

Klaus Eckel (geb. 1974) ist ein Kabarettist aus Wien. Die ersten Jahre seines Berufslebens verbrachte er als Logistiker; seit 2001 steht er auf der Bühne, wo er bisher neun Soloprogramme präsentierte. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem 2019 mit dem Österreichischen Kabarettpreis für das Programm „Ich werde das Gefühl nicht los“. Dieses Jahr erschien sein drittes Buch „AllerDings“ bei Schultz & Schirm.

 

  • Fotos: © Christoph Liebentritt
  • Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin neuner News, Ausgabe 45.
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