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"Ich bin ein Familienmensch."

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Renè S. war sieben Jahre lang obdachlos. Heute lebt er im neunerhaus Hagenmüllergasse. Er erzählt, wie sich sein Leben verändert hat.

„Ich wohn‘ im vierten Stock, sie im siebten.“ René S. lebt seit 2017 im neunerhaus Hagenmüllergasse. Seit Kurzem sind er und seine Nachbarin ein Paar: „Wir kennen uns, seit ich eingezogen bin. In den letzten Monaten ist aber mehr daraus geworden.“

René war sieben Jahre lang obdachlos. Es war eine Zeit ohne Rückzugsorte und Sicherheit: „Zuhause war ich damals nirgends. Oft wurde mir etwas gestohlen. Gewalt war auch ein Thema. Von dieser Szene bin ich aber längst weg. Ich will nur noch Ruhe und nie wieder so etwas erleben.“

Sichtlich gerührt erzählt René von Morpheus. Sein Hund war immer an seiner Seite, auch während der Obdachlosigkeit. „Ich habe mir oft Vorwürfe gemacht, weil ich ihn überall hin mitnehmen musste. Aber er war wirklich mein bester Freund. Hunde sind oft bessere Begleiter als Menschen. Ein Hund lügt dich nicht an, er betrügt dich nicht, er stiehlt dir nichts.“

Morpheus durfte mit einziehen, als René ins neunerhaus Hagenmüllergasse kam. „Dass Tiere hier leben dürfen, ist super. Ohne ihn wäre ich auch nicht hergekommen“, erinnert er sich. Fast vier Jahre lang lebte René noch mit Morpheus in ihrem neuen Zuhause. Dann starb sein treuer Begleiter. In der Zwischenzeit fand René vieles, das ihm heute über die Trauer hinweghilft. Zum Beispiel sein Enkelkind, von dem er mit einem Lächeln spricht. „Meine Tochter schickt mir manchmal Fotos vom Kleinen. Unlängst hab ich auch zum ersten Mal Fußball mit ihm gespielt und mich gefreut wie ein Schneekönig.“ Der Kontakt zu Tochter und Enkel fällt René dank seinem neuen Zuhause leichter. Und er weiß: „Wenn’s mit der Familie gut geht, mach‘ ich mir auch selbst keine Probleme. Ich bin ein Familienmensch.“

„Ich hab bald keine Schulden mehr, hat mir mein Sozialarbeiter gesagt.“ René sieht sich seinem großen Ziel ein Stück näher: „Ich will mich mit fünfzig zusammenpacken und raus. In die Karibik fliegen und dort gegen Kost und Logis mit Tieren arbeiten. Das wäre Balsam für die Seele.“ Bis dahin hat René noch etwas Zeit. Zeit, um Geld für den Flug zu sparen, für mehr Fußballspiele mit seinem Enkerl und ein Leben zwischen viertem und siebtem Stock.

 

  • Fotos: © Christoph Liebentritt
  • Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin neuner News, Ausgabe 45.
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