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»Jetzt kann ich selbst entscheiden«

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Roswitha M. ist jeden Tag im neunerhaus Café. Im Beitrag erzählt sie aus ihrem bewegten Leben.

„Das erste Mal war ich am 14. oder 15. März im neunerhaus Café. Hier kannst’ schön sitzen und gute Gespräche führen. Ich habe hier ganz viele Kinder (lacht). Jeden Tag bin ich hier, nur zwei Mal hab’ ich’s versäumt. Dabei wohne ich gar nicht in der Nähe, sondern im dritten Bezirk. Mit meiner Katze, die mir vor 13 Jahren zugelaufen ist. Ich will, dass es ihr gut geht, da spar’ ich lieber bei mir. Bei meinem Sohn war es das gleiche: Selbst hab’ ich mir wenig gegönnt, aber der Bub, der hat alles gehabt. Er ist gottseidank wahnsinnig brav und g’scheit und damit er studieren konnte, hab’ ich immer viel gearbeitet.

Ich habe ja Friseurin gelernt. Später habe ich in den unterschiedlichsten Berufen gearbeitet: Habe Blumen verkauft, für eine Modeschmuckfirma gearbeitet und bei Leihfirmen als Verpackerin in einer Fabrik geschafft. Mehr konnte ich ja nicht machen als Frau und es war wahnsinnig anstrengend, aber ich hab’ alles gern gemacht. Ich hab’ immer geschaut, wo sie jemanden brauchen und an den Wochenenden sogar noch in einem Kaffeehaus ausgeholfen. Damit mir nicht fad wird!

Freiwillig alleine

Vor 13 Jahren hat sich viel verändert. Mein Lebensgefährte ist gestorben, er war groß und stark, ein richtiger Hüne. Er hat sich zu Tode getrunken und zuerst mich noch halbert derschlagen. Er war auf alles eifersüchtig, sogar auf meine Katze und meine Blumen. Auch mein Stiefvater hat mir als Kind Hiebe gegeben. Die meisten verstehen nicht, wie ich seit 13 Jahren alleine leben kann. Ich sag’ dann: vor lauter Angst. Sowas könnte mir wieder passieren, weil ich bin ja so gutmütig. Es gibt halt Leute, die müssen leiden, keiner weiß warum. Darum bin ich jetzt freiwillig alleine.

Ich bin jetzt 73 Jahre alt und entscheide selber, was ich mache und wo ich hingehe. Die Gartengruppe
in meinem Hof macht mir eine so große Freude! Ich baue Gemüse an – Porree und Kürbis und Kraut. Was ich nicht brauche, verschenke ich. Sogar einen Baum habe ich gepflanzt! Außerdem hab’ ich ja das neunerhaus Café entdeckt, wo ich mir immer mein vegetarisches Essen hol’. Und den Kaffee hier vertrage ich. Wenn ich sonst in ein Lokal gehe und Kaffee trinke, da ist mir drei Tage schwindelig.“

neunerhaus – Teilhabe für alle

Auch armutsbetroffene Menschen erlebten die vergangene Monate im Krisenmodus. Viele von ihnen suchten Hilfe im neunerhaus Café, wo SozialarbeiterInnen zur Verfügung stehen. 2020 nahmen die Beratungsgespräche um zwei Drittel zu. Ihre Spende hilft, Krisen zu bewältigen und die Einsamkeit zu durchbrechen.

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  • Foto: (c) Christoph Liebentritt
  • Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin neuner News, Ausgabe 44.
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