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»Kunst soll dafür sorgen, dass Menschen in Begegnung kommen«

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Die neunerhaus Kunstauktion findet heuer zum 21. Mal statt. Ein Gespräch mit der Künstlerin Ramona Schnekenburger.

Im Gespräch erzählt die ehemalige Sozialarbeiterin neunerhaus, was die Kunstauktion für sie bedeutet und warum Sozialarbeit und Kunst für sie Hand in Hand gehen.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Ramona Schnekenburger: Ich komme ursprünglich aus dem Sozialbereich und habe fast 20 Jahre mit Menschen mit Psychiatrieerfahrung gearbeitet. Ich habe aber immer schon gezeichnet und gemalt, auch während meinem Sozialarbeitsstudium. Als ich 2007 nach Wien gekommen bin, habe ich in Gugging gearbeitet. Die Künstlerinnen im Atelier dort haben mir Mut gemacht. Sie haben mir gezeigt, dass man sich auch ohne Studium als Künstlerin ernst nehmen kann. Ich wurde ziemlich empowered von den Leuten, die ich betreut habe. Die letzten zehn Jahre war ich also immer weniger in Gugging und habe mehr an meinen eigenen Sachen gearbeitet und viel Zeit im Atelier verbracht. Mein Interesse am Menschen und das künstlerische Arbeiten sind kein Widerspruch für mich, im Gegenteil: Der Inhalt der Kunst kommt davon, wie man sich im Leben mit Dingen und Menschen auseinandersetzt. Ich glaube KünstlerInnen und Menschen mit Krisenerfahrung haben etwas Wichtiges gemeinsam: die hohe Sensibilität.

Welches Kunstwerk spenden Sie und warum?

Ramona Schnekenburger: Das Werk heißt „Beine“. Es ist genau zehn Jahre alt. Es ist für mich ein sehr gutes von meinen älteren Werken und ein Folgewerk von einem, das ich vor vier Jahren versteigert habe. Ich finde, das passt.

Warum?

Ramona Schnekenburger: Es zeigt Beine, die ins Bild hängen.  Ich habe mich gefragt, wie sich eine Persönlichkeit zeigen kann. Die Beine sind immer vom selben Menschen – ich finde, dass sie sehr stark seine Persönlichkeit zeigen (lacht). Ich habe sie im Schlaf fotografiert und dann gezeichnet. Vielleicht passt es auch deswegen so gut, weil es um Individualität geht, die sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise äußert. Wenn man im Schlaf die Beine unter der Decke hervorstreckt, hat das eben gar nichts mit einer Biografie oder einem Gesicht zu tun. Ich finde das passt ganz gut zum Menschsein.

Wie haben Sie von der neunerhaus Kunstauktion erfahren?

Ramona Schnekenburger: Ich glaube in Wien kommst du als Künstlerin nicht an der neunerhaus Kunstauktion vorbei. Ob es dir ein anderer Künstler oder Sammler erzählt oder ob du den Katalog siehst, der ja auch sehr schön ist. Die Auktion ist wirklich eine Institution in Wien. Die kennt man irgendwann.

In welchen Momenten hat Ihnen Kunst selbst schon einmal geholfen?

Ramona Schnekenburger: Gegen Einsamkeit. Ich bin vor 14 Jahren nach Wien gekommen und kannte niemanden. Mit dem Kulturpass (der Menschen in prekären finanziellen Verhältnissen den Besuch von Kulturveranstaltungen ermöglicht, Anm.) konnte ich in der Woche fünf Mal irgendwohin gehen - ins Museum, Kino oder Theater. Ich war jedes Mal total beglückt, wenn der Vorhang aufging, das Alleinsein hat dann gar nicht mehr existiert. Da hatte Kultur etwas richtig Tröstendes für mich. Und wenn ich tolle Bilder sehe, die mich berühren, ohne dass ich es erklären kann, dann ist das auch ein besonderes Gefühl.

Welche Bedeutung hat es für Sie, mit Ihrer Kunst Gutes zu tun?

Ramona Schnekenburger: Das ist eine gute Frage. Eine wohltätige Auktion ist nicht nur ein Geben und Nehmen für mich. Eigentlich geht es darum, Gemeinschaft zu schaffen. Es geht nicht nur ums Geld. Es ist wirklich ein Zusammenkommen. Es bringt eigentlich jedem etwas: Den KünstlerInnen neue InteressentInnen an Ihrer Arbeit und die Möglichkeit mit ihren Werken zu helfen, den SammlerInnen Kunst zu einem tollen Preis, die einen guten Zweck erfüllt und den Betroffenen Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen durch neunerhaus.

Welche Bedeutung hat Kunst für die Gesellschaft heutzutage?

Ramona Schnekenburger: Das ist schwer zu beantworten, weil es so viele unterschiedliche Menschen, Gruppen und Sub-Gesellschaften gibt.  Ich finde das Wichtigste an der Kunst ist, dass sie quasi keine Funktion hat. Es ist schwer auszudrücken, aber es geht nicht um Verwertbarkeit. Ihr Grund ist ein sinnlicher. Ich glaube ein Mensch, der fühlt und berührt wird, ist sowohl zur Umwelt, zu Mitmenschen als auch zu sich selbst zärtlicher.  Kunst ist für mich immer etwas Unklares und auch Emotionales. Ich finde es schade, dass viele Menschen keinen Zugang zu ihr finden. Viele fühlen sich exkludiert, weil sie das Gefühl haben, sie verstehen es nicht, dabei gibt es nichts zu verstehen. Das würde ich gerne noch verändern: Zugänglichkeit vermitteln und Mut machen. Wir dürfen uns alle von Kunst berühren lassen. Sie soll dafür sorgen, dass Menschen in Begegnung kommen – wie bei der neunerhaus Kunstauktion.

Möchten Sie noch etwas ergänzen? 

Ramona Schnekenburger: Ich mag den akzeptierenden Ansatz von neunerhaus sehr: Dass in den Angeboten Alkohol getrunken werden darf und auch Tieren geholfen wird. Dass nicht gilt: „Du musst ein ‚guter‘ Mensch sein, um Hilfe zu bekommen.“ Deswegen unterstütze ich neunerhaus gerne.  Und ich wünsche mir, dass ein Mensch wertvoll ist, egal was er macht. Nicht nur wegen seiner Arbeit oder weil er etwas leistet. Aber das wird wohl noch Jahre dauern.  

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Kunst, die Gutes tut: 21 Jahre neunerhaus Kunstauktion

Die neunerhaus Kunstauktion findet zum 21. Mal statt. 196 Kunstwerke wurden für die diesjährige Auktion von KünstlerInnen gespendeten. Mit den Erlösen werden seit über 20 Jahren obdach- und wohnungslose Menschen mit Wohnen und medizinischen Angeboten unterstützt. Heuer findet die Auktion am Montag, 8.11.2021, im MAK und online statt.

Hier erfahren Sie, wie Sie online mitbieten können!

Alle Werke der 21. neunerhaus Kunstauktion als Galerie zum Durchklicken oder den gesamten Katalog als pdf zum Download!

Mehr dazu:

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Fotos: (c) Ramona Schnekenburger

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