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»Man kann tatsächlich etwas bewirken«

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Die neunerhaus Kunstauktion findet heuer zum 20. Mal statt – traditionell im MAK und erstmals auch online. Michael Kovacek vom Auktionshaus im Kinsky blickt als langjähriger Kooperationspartner zurück und nach vorn.

Herr Kovacek, Corona-bedingt ist es bei der neunerhaus Kunstauktion erstmals möglich, auch live online um Kunstwerke mitzubieten: Wie funktioniert das?

Michael Kovacek: Man registriert und akkreditiert sich vorab. Dann kann man am Bildschirm live an der Auktion teilnehmen und hat die Möglichkeit, bei jedem einzelnen Werk auf den Knopf zu drücken und zu sagen: „Ich biete“. Man sieht mich am Bildschirm, sieht jeden Preissprung und es werden immer wieder Summen angezeigt, wo man „Ja“ anklicken kann – wenn man der oder die Letzte ist, hat man das Kunstwerk gekauft. 

Das hört sich eigentlich ganz einfach an.

Michael Kovacek: Ja, es ist auch ganz einfach. Wenn man sich mit den Dingen einmal auseinander gesetzt hat, wenn man fähig ist, den Computer zu bedienen, dann ist es ganz einfach (lacht).
 

Die neunerhaus Kunstauktion hat klein begonnen und sich binnen 20 Jahren zur größten Charity-Kunstauktion in Österreich entwickelt …

Michael Kovacek: Ja, das ist richtig. Bei der letzten Auktion gab es ein großartiges Ergebnis. Natürlich würde ich mich freuen, wenn wir, so wie fast alle Jahre, eine kleine Steigerung zusammen bringen.

Warum versteigern Sie überhaupt Kunst für den guten Zweck?

Michael Kovacek: Wir waren von Anfang an bei der neunerhaus Kunstauktion dabei, denn wir sind der Meinung, dass man einen Teil der Bevölkerung, die vielleicht nicht so wohlhabend sind, damit helfen kann. Man kann tatsächlich etwas bewirken, so dass diese Not, die die Menschen haben, gelindert wird. Das finde ich toll!

Es gibt auch noch eine Möglichkeit, mit Kunst Gutes zu tun, nämlich wertvolle Kunst zu hinterlassen, die dann für neunerhaus versteigert wird. Wie geht das?

Michael Kovacek: Erst vor kurzer Zeit haben wir Bilder für neunerhaus hier im Kinsky versteigert. Jemand hatte testamentarisch festgelegt, dass der Erlös dieser Gegenstände neunerhaus zu Gute kommen soll. Dass ist natürlich auch eine schöne Möglichkeit, wenn man ein Leben lang Kunst gesammelt hat und man dann noch zu Lebzeiten eine Schenkung macht oder im Testament vermerkt, ‚Wenn ich nicht mehr an der Kunst teilhaben kann, soll doch der Erlös dieser Kunst zumindest einem guten Zweck dienen.‘ Es gibt ja immer mehr Menschen, die an Spendenorganisationen vererben – warum nicht auch an neunerhaus, das finde ich ganz toll!

Ist eine Krise eine gute Zeit, um in Kunst zu investieren?

Michael Kovacek: In Kunst zu investieren ist immer eine gute Idee! Die Krise hat bewirkt, dass die Leute weniger reisen und mehr zuhause bleiben und ins Häusliche investieren. Es sind ja viele Kunstmessen wegen Corona ausgefallen, aber die Auktionshäuser konnten sozusagen zu den Kundinnen und Kunden kommen. Das ist ja der große Vorteil des Auktionswesens. Man hat alles im Katalog, gedruckt oder online, und man kann sich dann aus der Entfernung das Lieblingsbild an der Wand vorstellen, da gibt es heute auch schon viele technische Möglichkeiten.

Wollten sie eigentlich schon als kleiner Bub im Bereich Kunst arbeiten?

Michael Kovacek: Ich komme eigentlich aus dem Handwerk, ich bin gelernter Tischlermeister. Es hat sich dann ergeben, in das elterliche Antiquitätengeschäft einzutreten. Meine persönliche Spezialisierung war dann über Jahrzehnte das alte Glas, sprich museales Glas aus der Zeit von 1500 bis 1900. Vor 27 Jahren habe ich dann mit anderen Kollegen das Auktionshaus im Kinsky mitgegründet und bin dort seit über zehn Jahren in der Geschäftsführung tätig.

Was ist die wichtigste Eigenschaft eines guten Auktionators, einer guten Auktionatorin?

Michael Kovacek: (lacht) Sehr schwer zu sagen: Er oder sie sollte natürlich etwas von den Kunstwerken verstehen, das ist schon Voraussetzung. Und die Anwesenden animieren, sich zu erfreuen und bei der Auktion recht oft aufzuzeigen, damit sowohl die Verkäuferinnen und Verkäufer als auch die Kunst den richtigen Preis bekommen.
 

Gibt es eine Auktion, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Michael Kovacek: Überraschungen am Auktionsmarkt gibt es immer wieder. Als Auktionshaus schätzt man auch nicht in allen Fällen 100-prozentig die Wertigkeit der Gegenstände exakt ein. Erst vor kurzer Zeit ist es passiert, dass wir zwei Stoffpuppen von historischem Interesse, König Heinrich der VIII. von England und seine Tochter Elisabeth, im Angebot für 5.000 Euro geschätzt hatten. Die haben dann einen Erlös von 270.000 Euro gebracht.

Was für ein Unterschied!

Michael Kovacek: Ja, und diese Auktion hat alleine an diesem Objekt fast eine Viertelstunde gedauert.

Ist das lang?

Michael Kovacek: Normalerweise wird ein Gegenstand innerhalb von einer halben Minute versteigert.
 

Können Sie unseren LeserInnen einen guten Tipp geben, wie man erfolgreich steigert?

Michael Kovacek: Jemand, der sich ein Kunstwerk kaufen will, sollte vorher schauen: Welche Gegenstände gibt es, welche gefallen mir? Dann sollte man sie besichtigen, es ist ja lange Zeit Schaustellung davor. Dort muss man sich die Stücke aufschreiben, die man wirklich haben will und dann sollte man sich schon darauf einrichten, dass man den Gegenstand nicht zu dem Ausrufpreis bekommt, sondern bedenken, dass Andere auch daran Gefallen finden können und zumindest das Doppelte des Anfangspreises einrechnen.

Sollte man sich ein Limit setzen?

Michael Kovacek: Natürlich! Es gibt immer wieder die ganz strikten, die nur bis zu ihrem Limit gehen. Das Schöne ist aber, dass es mir als Auktionator immer wieder gelingt, die Leute zu motivieren, doch vielleicht einmal höher zu gehen – das macht die Spannung aus und das ist auch eine Kunst. Und wenn man mit dem Erlös obdach- und wohnungslose Menschen unterstützen kann, ist es umso toller.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Kunst, die wirkt: 20 Jahre neunerhaus Kunstauktion

Die neunerhaus Kunstauktion findet zum 20. Mal statt. 800 KünstlerInnen spendeten in den vergangenen Jahren ihre Werke. Mit den Erlösen werden damals wie heute obdach- und wohnungslose Menschen mit Wohnen und medizinischen Angeboten unterstützt. Heuer findet die Auktion am Montag, 2.11.2020, im MAK statt. Alle Infos zu den Möglichkeiten, vor Ort, telefonisch, online oder schriftlich mitzubieten, finden Sie hier




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Michael Kovacek in A(u)ktion. Foto: (c) im Kinsky