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»Pandemie und Privilegien«

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neunerhaus Geschäftsführerin Elisabeth Hammer kommentiert gesellschaftliche Schieflagen, die Corona sichtbar macht.

"COVID-19 hat auch etwas Egalitäres: Niemand ist vor Ansteckung gefeit, und die Maßnahmen zu seiner Eindämmung schränken die Grund-und Menschenrechte in Bezug auf das Privat- und Sozialleben aller Menschen ein. Der Grad der Betroffenheit aber variiert. Ausgangsbeschränkungen sowie Minimierung des öffentlichen Lebens und sozialer Kontakte waren mit gesichertem Arbeitsplatz, Garten und Laptop einfacher zu bewältigen als für alte Menschen in Pflegeeinrichtungen oder für jene in prekären Arbeits- und Wohnverhältnissen.

Wo es vorher schon eng war, wurde es noch enger – platztechnisch wie finanziell. Und wo vorher schon wenig soziale Netzwerke als Unterstützung zur Verfügung standen, sind diese womöglich fast zur Gänze weggebrochen. Wie ein Vergrößerungsglas macht die Pandemie gesellschaftliche Schieflagen sichtbar: Nicht alle Menschen in u nserer Gesellschaft erhalten gleich viel Aufmerksamkeit, wenn es um ihre Rechte geht. Nicht jede und jeder kann auf Unterstützung zählen, wenn benötigt, nicht allen steht gleich viel Platz zur Verfügung. Die Möglichkeiten, die eigenen Interessen zu vertreten sind ebenso wie Ressourcen und Privilegien sehr ungleich verteilt.

Unabhängig von einer potenziellen „zweiten Welle“ muss der Blick verstärkt auf jene gerichtet werden, die im Krisenfall kaum auf rettende Ressourcen zurückgreifen können und keine starke Lobby haben. Wir werden uns bei neunerhaus weiterhin dafür einsetzen, dass der Zugang zu fundamentalen Grundrechten und unterstützenden sozialen Netzwerken insbesondere für schutzbedürftige Zielgruppen wie obdach- und wohnungslose Menschen auch in Krisenzeiten gesichert ist. Mit unseren Angeboten, aber auch als kritische Stimme in der öffentlichen Debatte. Unser Ansatz, ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben zu fördern, bleibt auch angesichts von Pandemie bedingten eingriffsintensiven Regulierungen aufrecht. In der Überzeugung, dass gesellschaftliche Teilhabe, soziale Kontakte und Unterstützung kein Privileg sein dürfen, sondern für alle zugänglich sein müssen."

Elisabeth Hammer, neunerhaus Geschäftsführung

 

Foto: (c) Christoph Liebentritt
Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin neuner News #41.

 

 

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