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Über dem Tellerrand

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neunerhaus hat mit dem Café im fünften Wiener Gemeindebezirk nicht nur ein kulinarisches Highlight, sondern auch einen Ort der Begegnung geschaffen.

Hier sind alle willkommen – um zu essen, zu plaudern oder sich beraten zu lassen. Oder einfach, um unter Menschen zu sein. Isabel Schmidt hat sich angesehen, wie das ankommt.


Schon beim Betreten des neunerhaus Cafés in der Margaretenstraße ist das Mahlen der Kaffeemühle zu hören. Durch die großen Fensterfronten fällt viel Sonne auf die unterschiedlich großen Tische und Stühle aus Holz. Mitverantwortlich für die Wohnzimmeratmosphäre ist die Gastronomie­leiterin Anna Schwab. Sie arbeitete schon vor der Eröffnung des Cafés im Jänner 2018 bei der Planung und der Erarbeitung des Konzepts mit. "Die moderne, offene Architektur und die Qua­lität der verwendeten Produkte waren mir von Beginn an wichtig", sagt Anna Schwab, schaut nach oben zur Decke und lächelt. "Und das besondere Lichtkonzept." Unzählige Glühlam­pen hängen von der Decke und tragen ihren Teil zur Gemütlichkeit bei. Hinter der schwarzen, modernen Theke, auf der die Kaffeemaschine thront, bereitet das Küchenteam das heutige Tagesmenü zu: Kichererbsensalat mit Fenchel. Immer wieder ist Lachen zu hören, es herrscht eine gelassene Stimmung. Einer der wenigen wesentlichen Unterschiede zur klassischen Gas­tronomie ist die Geschwindigkeit, wie Schwab erzählt: "Durch die architektonische Offenheit wird alles beruhigt - sowohl in der Küche als auch für die Gäste."

Ein Ort, an dem alle willkommen sind

Mon­tags bis freitags von 10 bis 15 Uhr steht das neunerhaus Café BesucherInnen zur Verfü­gung - dazu zählen Menschen aus dem Grätzl genauso wie PatientInnen des angrenzenden neunerhaus Gesundheitszentrums, Studierende, MitarbeiterInnen der Büros aus der Umgebung und Menschen, die Information und Beratung suchen. "Raus aus deiner Bubble" heißt es für alle BesucherInnen, egal ob sie zum Mittages­sen, Arbeiten oder Pause machen kommen - oder einfach unter Men­schen sein möchten. Auch vierbeinige Begleiter sind anzutreffen, weil in den Räumlichkeiten nebenan die neuner­haus Tierärztliche Versorgung unter­gebracht ist.

Mit gutem Essen Gutes tun

Ziel im neunerhaus Café ist es, allen ein schmackhaftes und hochwertiges Es­sen zu ermöglichen. Täglich werden hier vom frisch zubereiteten Tages­gericht rund 60 Essensportionen für eine freiwillige Spende ausgegeben. Jeder Besucher und jede Besuche­rin spendet so viel wie er oder sie entbehren kann. Der gesellschaftliche Zusammenhalt zeigt sich auch an der Aufschrift der Spendenbox, die auf der Theke steht: "Eine Spende für mich" ist auf der einen Seite zu lesen, "Eine Spende für alle anderen" auf der gegenüberliegenden. Wer mehr zu geben hat, kann so andere Gäste einladen. Besonders großer Wert wird auf gesundes Essen in Bio-Qualität gelegt, wie Koch Christopher Kastelan erzählt. Stolz berichtet der 29-Jährige, dass es sich bei einem Teil der verwendeten Lebensmittel um "geret­tete" Lebensmittel aus Supermärkten oder vom Bauernhof handelt. Unterstützt wird Kastelan bei seiner Arbeit von zahlreichen Ehrenamtlichen. "Das Essen kommt sehr gut an und es gibt viele Menschen, die durch den Cafébesuch miteinan­der in Kontakt kommen", sagt er, "das macht das Café zu einer wirklich schönen Sache, die noch mehr Aufmerksamkeit verdient hätte".

Zusammenhalt statt Einsamkeit

Konsum - auch von mitgebrachtem Essen - ist im neuner­haus Café möglich, aber kein Muss. Wichtiger war es, einen besonderen Raum der Begegnung zu schaffen. Mit dem Café möchte neunerhaus der Ausgrenzung von obdachlosen, wohnungslo­sen und nicht versicher­ten Menschen entge­genwirken. Möglich machen das einerseits das moderne Design und das gesunde Essen, auf der anderen Seite aber auch die Gleichbehandlung, die Wertschät­zung und die Offenheit, die unterschiedliche Gäste ins Café und damit auch oft an einen gemeinsamen Tisch lockt. Augustine Wöß zählt zu den Stammgästen des Cafés. "Mir gefällt ein­fach alles hier: Das Essen schmeckt immer, es ist optisch sehr schön und man kommt einfach mit dem Leben in Kontakt", erzählt die Seniorin. Sie hat es sich vor dem neunerhaus Café auf einer Holzbank beim für die Sommermonate aufgebauten Grätzlbeet im Schatten gemüt­lich gemacht. "Ich habe das Gefühl, dass das Gemeinsame hier sehr gut funktioniert. Das ist in einer Zeit, wo Ausgrenzung durch Politik und Gesellschaft immer ärger werden, besonders wichtig", analysiert die ehemalige Journalistin. Auf einem der kleineren Tische des Cafés sitzt ein Mann mit Bart und längeren Haaren. Er wirkt erschöpft und scheint sich eine kleine Auszeit zu nehmen. Seinen Namen will er lieber nicht nennen. Auch ihm gefallen die Offenheit und die Gemütlichkeit des Cafés, vor allem aber die Tatsache, dass Gäste nicht vorverurteilt wer­den, erzählt er, während er genüsslich Kaffee trinkt. "Dass das neunerhaus für alle da ist, ist sehr wichtig", betont er, "hier kommen auch Menschen her, die sonst nirgends Platz haben. Die Sozialarbeiter unternehmen wirklich alles, was in ihrer Macht steht." Dann fügt er hinzu: "Es gibt Tage, da will ich gar nicht reden, aber dann komm ich hier her und es geht mir wieder besser." Fast täglich besucht er das Café, isst zu Mittag, trinkt seinen Kaffee und kommt mit anderen Gästen oder den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern ins Gespräch. "Hier wird einfach kein Unterschied gemacht und das find ich leiwand, wir sind schließlich alle Menschen."

Beratung auf Aughenhöhe

Das Café ist nicht nur ein Ort zum Essen, Trinken und gemütlichen Verweilen, sondern bietet auch Gelegenheit, auf eine niederschwellige Art und Weise Hilfe anzu­nehmen. Das sozialarbeiterische Angebot steht allen offen. Die neunerhaus MitarbeiterInnen sind täglich zu den Öffnungszeiten im Café und bieten vor Ort, sofern gewünscht, Informationen und Beratung an: nicht nur für wohnungslose Menschen, sondern für alle, die Unterstützung benötigen - etwa in einer Lebenskrise. Mariella Nemec ist Teil des vierköpfigen Teams. Einen ersten Kontakt mit Gästen stellt sie zumeist bei der Begrüßung her, wenn sie das Konzept erklärt. "Unser Angebot ist, dass wir einfach da sind. Es gibt keine Hürden, keine Vorausset­zungen für Gespräche", sagt die 41-Jährige. Seit der Eröffnung arbeitet sie im Café und führt Spontangespräche, leistet Beziehungsarbeit, gibt Orientierung und hilft bei der Vermittlung von Schlafplätzen oder mit anderen Informationen. "Die Idee, Inklusion so umzusetzen, funktioniert erstaunlich gut. Ganz unterschiedliche Men­schen kommen im Café dank der angenehmen Atmosphäre und der überschaubaren Struktur miteinander ins Gespräch", erzählt die erfahrene Sozialarbeiterin. Mit seinem vielfältigen und vor allem auch niederschwelligen Angebot ist das neunerhaus Café in ganz Wien einzigartig. Fad wird es hier nie, bestätigt Nemec. "Jeder Tag ist so individuell wie die Gäste".

Gutes Essen, Gutes tun

Mit Ihrer Spende schenken Sie Menschen, die es sich nicht leisten können, eine gesunde Mahlzeit. Entweder direkt im Café oder online hier.

 

Fotos: (c) Christoph Liebentritt

  
   

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