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»Verletzliches System, verletzliche Menschen«

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neunerhaus Geschäftsführerin Elisabeth Hammer analysiert, wieso Zugang zu medizinischer Versorgung für alle essentiell ist.

"Was Unternehmen jubeln lässt, ist für Sozialorganisationen oft kein Grund zur Freude. Beispiel Zuwachs: 37 Prozent mehr PatientInnen als im Vorjahr verzeichneten wir im Sommer im neunerhaus Gesundheitszentrum – obdach- und wohnungslose sowie nichtversicherte Menschen, mit unterschiedlichen Erkrankungen. Ihre Gemeinsamkeit? Dass sie Hilfe brauchen und sonst keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben – oder dieser durch Hindernisse verstellt ist.

Wir sind für diese Menschen da, das galt während des Lockdowns ebenso wie jetzt, wo die Krise in die Verlängerung geht. Aber wir kommen an unsere Kapazitätsgrenzen. Nicht selten können wir nicht alle am gleichen Tag behandeln, weil Personal und Zeit nicht reichen und müssen PatientInnen vertrösten. Menschen, die Hilfe brauchen. Die dann am nächsten Tag mit Maske und Abstand noch früher vor dem Gesundheitszentrum stehen und hoffen, dass sie mehr Glück haben. Das geht gegen unsere grundlegende Überzeugung, die wir jetzt noch vehementer vertreten: Gesundheitsversorgung darf keine Glückssache sein. Spätestens in Krisenzeiten ist das aber vielerorts nur ein frommer Wunsch. Covid-19 hat deutlich gemacht, wie verletzlich nicht nur Menschen, sondern auch Systeme sind. Seitdem wurde viel über Ansteckungsgefahr gesprochen, zu wenig über die Voraussetzungen für ein Gesundheitswesen, das auch in schwierigen Momenten offen hält.

Vielleicht ist Ihnen das Sujet unserer neuen Kampagne 'Gesundheit darf keine Glückssache sein' bereits ins Auge gesprungen. Wir wollen damit aufzeigen, wie wichtig der Zugang zu medizinischer Hilfe für alle ist. Wir hätten noch ergänzen können: Gesundheitsversorgung darf keine Frage des Geldes, der Sprache, der Kontakte oder des Wissenstands sein. Kein „Schönwetterangebot“ und nicht auf die Wohltätigkeit weniger angewiesen. 2020 hat uns gezeigt, wo die Bruchlinien verlaufen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, unser Gesundheitswesen neu aufzustellen und medizinische Versorgung für alle zu garantieren. Was es dafür braucht? Politischen Willen, Investitionen in Infrastruktur und einen Ausbau der Angebote. Hier wäre ein Zuwachs durchaus zu begrüßen."

Elisabeth Hammer, neunerhaus Geschäftsführung

 

Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin neuner News #42.
Fotos: (c) Christoph Liebentritt, Kampagne: (c) buero butter

 

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