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Von Gleich zu Gleich: neunerhaus setzt auf Peer-Ausbildung

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Schon der 3. Zertifikats-Kurs Peers der Wohnungslosenhilfe für ehemals wohnungslose Menschen schließt ab. Bislang wurden fast 50 Peers ausgebildet.

Seit über 20 Jahren steht neunerhaus für einen mutigen und innovativen Zugang in der Wohnungslosenhilfe. Mit dem 2019 ins Leben gerufenen Zertifikats-Kurs für Peers der Wohnungslosenhilfe bildet neunerhaus ehemals obdach- und wohnungslose Menschen zu sogenannten Peers aus. Ende März absolvieren nun 16 TeilnehmerInnen den mittlerweile dritten Kurs. Insgesamt hat neunerhaus mit dem vom Fonds Soziales Wien geförderten Kursangebot bislang fast 50 Peers der Wohnungslosenhilfen ausgebildet. Bei neunerhaus sind aktuell vier Peer-MitarbeiterInnen angestellt und ergänzen die Teams im neunerhaus Café, im neunerhaus Gesundheitszentrum und in zwei Wohnhäusern. Im April werden zwei weitere Peers eingestellt. Und im September startet bereits der vierte Zertifikats-Kurs.

Expertise aus Erfahrung

Peer zu werden heißt: Betroffene Menschen werden zu ExpertInnen ihrer eigenen Situation ausgebildet, sie arbeiten ihre Erfahrungen auf und geben ihr Wissen an andere weiter.

„Die Peer-Arbeit bietet eine perfekte Ergänzung im Beratungs- und Sozialangebot der Wohnungslosenhilfe. Peers wissen, was es heißt, auf der Straße zu leben oder wohnungslos zu sein“, so Elisabeth Hammer, neunerhaus Geschäftsführerin. „Ihre Erfahrung bedeutet einen unglaublichen Wissensschatz. Wir sind sehr stolz über dieses einzigartige Kursangebot in Österreich.“ Peers können als angestellte MitarbeiterInnen in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe tätig werden, bringen ihr Erfahrungswissen ein, erweitern die interdisziplinären Teams und arbeiten Hand in Hand mit sozialarbeiterischen Angeboten. „Ein Gewinn für beide Seiten: Peers finden damit Arbeit und Wertschätzung – und der Sozialbereich eine wesentliche Erweiterung seiner Angebote“, so Elisabeth Hammer.

Hilfe auf Augenhöhe

„Peers sind für uns MutmacherInnen, HoffnungsträgerInnen – aber auch kritische WegbegleiterInnen, hinterfragen sie durch ihre Erfahrung doch auch das System der Wohnungslosenhilfe. Diese Expertise gibt uns wertvolle Impulse, die wir bei neunerhaus nicht nur zulassen, sondern auch gerne aufgreifen und in unsere Arbeit einfließen lassen“, so Daniela Unterholzner, neunerhaus Geschäftsführerin. „Denn im Kern steht der Gedanke: Hilfe von Gleich zu Gleich. Wir passen die Hilfe den Menschen an, nicht umgekehrt – das entspricht neunerhaus.“

„Meine Erfahrung als Peer ist, dass sich Menschen im Gespräch leichter öffnen, wenn ich Ihnen von meiner Vergangenheit erzähle“, so Christopher L., Peer im neunerhaus Gesundheitszentrum.

„Im Kurs hat mir am besten das Modul über psychische Erkrankungen und Drogensucht gefallen, weil ich es irrsinnig wichtig finde, dass man die Leute da aufklärt und entstigmatisierend arbeitet. Das Thema meiner Abschlussarbeit ist ‚Obdachlosigkeit bei Jugendlichen‘, weil es mir einfach wichtig ist. Ich möchte aufzeigen, was sich in den letzten 20 Jahren in Wien getan hat.“

(Nina N., Absolventin des 3. Peer-Kurses und angehende Peer)

Modul für Modul zum Peer

Insgesamt sieben Module umfasst die Ausbildung zum „Peer“. Die einzelnen Abschnitte behandeln zum Beispiel das Thema „zwischenmenschliche Beziehungen“, setzen sich mit „Vielfalt und Gesellschaft“ oder „Psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen“ auseinander. Außerdem absolvieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Praktika in einer Wohnungsloseneinrichtung, um Berufserfahrung zu sammeln. Dazu kommen regelmäßige Lerngruppen mit anderen Peers und das Schreiben eines Lerntagebuchs und einer Abschlussarbeit.

 

Mehr erfahren

Interessierte können sich bis 16.5. für den vierten Kurs anmelden!

 

Alle Fotos: (c) Christoph Liebentritt

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Die TeilnehmerInnen des zweiten Zertifikats-Kurs beim Abschlusstag im September 2020. Ende März 2021 schließt bereits der vierte Kurs ab!
Drei Teilnehmerinnen tauschen sich aus.
Nina D. legt großen Wert auf Entstigmatisierung. Ihre Abschlussarbeit handelt von Obdachlosigkeit bei Jugendlichen.
Christopher L. arbeitet bereits als Peer-Mitarbeiter bei neunerhaus. "Menschen öffnen sich im Gespräch leichter, wenn ich ihnen von meiner Vergangenheit erzähle."