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»Wenn ich mich aufreg, wirds eng«

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Schauspielerin und Kabarettistin Andrea Händler sprach mit Daniela Unterholzner über gutes Essen, Freundschaft und Glück.

Daniela Unterholzner: Sie wohnen ja bei uns im Grätzel. Wenn Sie bei neunerhaus vorbeigehen, was nehmen Sie wahr?

Andrea Händler: Beim neunerhaus Café sehe ich immer, dass Menschen essen. Da denk’ ich mir: Super. Ich selbst koche gern und freue mich, wenn Menschen Essen genießen können.

Unterholzner: Hatten Sie selbst schon einmal Berührungspunkte mit Wohnungslosigkeit?

Händler: Nein, bei mir haut immer alles irgendwie hin. Sagen wir so: Wenn ich mich nicht aufreg‘, haut immer alles hin. Wenn ich mich aufreg‘, wird’s eng. Ich weiß, wie es ist, wenn man sehr gut verdient und wie es ist, wenn man fast gar nichts verdient. Für mich hat das aber nie etwas mit Glück zu tun gehabt, nur mit den Umständen. Wenn ich mehr verdiene, kauf ich mir teureres Gewand; Wenn ich weniger verdiene, kaufe ich mir billigeres Gewand. Aber ich war noch nie glücklicher in teurerem Gewand oder unglücklicher in billigem Gewand. Es waren immer private Umstände, die für Seelenheil gesorgt haben.

Unterholzner: Das heißt, materielle Werte sind Ihnen nicht so wichtig?

Händler: Egal ob Galas oder Benefizvorstellungen – ich habe nie besser gespielt, nur weil ich bezahlt werde. Ich verbinde mit Geld nur, dass man etwas machen kann, aber nicht so, dass ich zum Beispiel drauf sitzen möchte und drauf brüten. Also ins Grab mitnehmen werd‘ ich sicher nichts.

Unterholzner: Was bedeutet Zuhause für Sie?

Händler: Zuhause ist für mich ein Ort, wo ich weiß, da mache ich die Tür zu, und da bleibt einmal alles draußen, was ich draußen haben will. Zuhause verbinde ich mit absoluter Eigenständigkeit, da kann ich alles bestimmen und brauche keine Kompromisse einzugehen. Und ich kann die Menschen einladen, die ich will. Alle anderen bleiben draußen. Aber ich bin ja sehr freundlich, ich lasse sehr viele rein.

Unterholzner: Haben Sie viele Gäste?

Händler: Seit zehn Jahren koche ich sehr gern und sehr viel für Freunde. Ich bin eine Kochbuchköchin, ich glaub, ich hab 70-80 Kochbücher daheim. Alles durchkochen werd ich in diesem Leben nicht mehr schaffen. Ich verbinde jedenfalls Küche ganz stark mit Zuhause. Wenn ich in der Küche stehe, habe ich immer so ein heimeliges Gefühl.

Unterholzner: Was tun Sie, wenn es Ihnen einmal nicht so gut geht?

Händler: Man muss immer schauen, dass man auch ein großes soziales Umfeld hat. Weil ich glaube, wenn man viele Freunde hat, dann ist man zu so einer Zeit schon gut aufgehoben. Ich würde mir jedenfalls Hilfe holen. Wenn ich krank bin, tue ich das ja auch. Ich kenne Menschen, die nicht zum Arzt gehen, auch wenn sie Schmerzen haben. Das kann ich schwer nachvollziehen. Das ist für die Seele auch nicht gut. Denn das heißt ja, ich bin mir nichts wert.

Unterholzner: Was bedeutet Glück für Sie?

Händler: Glück ist etwas Ruhiges, das spürt man in sich. Ich verspüre Glück, wenn ich mit meinem Mann zusammensitze und wir besprechen, was wir alles noch so machen könnten im Leben. Und dann sagen wir: Machen wir doch einfach nix, aber das richtig schön! Das ist Glück. Also einfach so, keinen Stress haben. Den Rest kenn ich ja schon.

Daniela Unterholzner: Vielen Dank für das Gespräch!

 

  • Dieser Beitrag erschien erstmals im Magazin neuner News, Ausgabe 46.
  • Fotos (c) Christoph Liebentritt

 

 

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