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»Zeit und Zuwendung sind für obdachlose Menschen jetzt besonders wichtig«

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Ajoki Kalo ist Gesundheits- und Krankenpflegerin im neunerhaus Gesundheitszentrum für obdachlose und nichtversicherte Menschen. Ein Einblick.

„Viele Menschen, die auf der Straße leben müssen, leiden an offenen Wunden an Beinen und Füßen. Werden diese nicht behandelt, kann das zu schweren Folgeschäden führen oder sogar dazu, dass ein Bein amputiert werden muss. Darum ist professionelle Wundversorgung ein wichtiger Aspekt bei uns im neunerhaus Gesundheitszentrum, wo wir uns kostenlos um obdachlose, wohnungslose und nichtversicherte Menschen kümmern.

Im Schnitt haben wir zehn Verbandswechsel am Tag. Wenn wir Wunden versorgen, arbeiten wir normalerweise zu zweit, aber derzeit behandeln wir die PatientInnen allein. So kann der Sicherheitsabstand gewahrt werden. Was normalerweise 30 Minuten dauert (zehn Minuten Verbandswechsel, 20 Minuten Pflegearbeit), nimmt aktuell eine Stunde oder eineinhalb in Anspruch. Denn wir arbeiten mit Fachkompetenz, Professionalität und viel Zuwendung – alles andere könnte ich nicht vertreten, egal wie viel zu tun ist.

Auf der Straße wird regelmäßiges Händewaschen zur Herausforderung.

Unsere KlientInnen sind durch die Corona-Krise sehr verunsichert. Viele haben Angst, weil sie nicht die Möglichkeit haben, sich regelmäßig die Hände zu waschen oder zu desinfizieren. Wir überlegen dann gemeinsam: Wo kann man sich Hände waschen? Was kann ich tun, wenn es keine Seife gibt? Kann ich mir die Hände an der Hose abtrocknen? Und auch sehr wichtig: Was kann ich tun, damit meine Wunden gut heilen können, auch wenn ich kein Zuhause habe?

Neulich hat ein Patient nach der Wundversorgung aus Dankbarkeit nach meinen Händen gegriffen. Er hat sich dann furchtbar erschrocken und mehrfach dafür entschuldigt. Ich habe gesagt: „Das ist kein Problem!“ Wir haben uns dann beide gemeinsam die Hände gewaschen. Ich habe ihm erklärt, wie man auch im Alltag mit solchen Situationen umgehen sollte.

Ich bin für dich da, weil du wichtig bist.

Wichtig ist mir und meinen KollegInnen im Gesundheitszentrum, den Menschen eine Gesundheitskompetenz zu vermitteln. Da geht es um Fragen wie: Was brauche ich? Was tut mir gut? Muss ich zum Arzt oder ins Spital? Gesundheitskompetenz zu vermitteln braucht Zeit und ein gutes Vertrauensverhältnis, doch es ist die nachhaltigste Hilfe überhaupt und entlastet zusätzlich das Gesundheitssystem.

Viele unserer KlientInnen leiden heuer noch mehr unter Einsamkeit. Daher ist es jetzt besonders wichtig, Zeit und Zuwendung zu geben. Das Gefühl zu vermitteln: Ich bin für dich da, weil du wichtig bist. Ich setze mich hin und höre dir zu. Die Menschen gehen dann aufrechter aus dem Behandlungsraum, als sie rein gekommen sind. Auch die Mimik verändert sich, wenn der Schmerz nachlässt. Wir versuchen generell zu zeigen, dass es auch noch ein Stück Normalität gibt. Neulich habe ich mit einem Patienten darüber gesprochen, wie schön draußen die Krokusse blühen."

Ein Beitrag von Ajoki Kalo, Gesundheits- und Krankenpflegerin im neunerhaus Gesundheitszentrum.

 
  

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