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Elisabeth Hammer: »Gegen den Misstrauensvorschuss«

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Arm und selbst schuld? Wie die Politik zu Missgunst und Ausgrenzung beiträgt. Ein Kommentar von neunerhaus Geschäftsführerin Elisabeth Hammer.

Wer wohnungslos ist, trägt einen schweren Rucksack mit sich. Nicht nur den wörtlichen mit allem Hab und Gut, sondern auch einen Ballast an Sorgen. Gleichzeitig herrscht in unserer leistungsgeprägten Gesellschaft ein Bild der individuellen Verantwortlichkeit: Wer nicht erfolgreich ist, ist selbst schuld.

Von der Mindestsicherung zur Sozialhilfe

Dieses Bild von Wohnungslosigkeit führt zu Abwertung und Ausgrenzung, nicht nur der Betroffenen, sondern auch der Angehörigen. Einen großen Anteil daran hat auch die Politik: Der Diskurs der bisherigen Bundesregierung ist geprägt durch einen „Misstrauensvorschuss“. Die Debatte wird nicht darüber geführt, was es für eine soziale Absicherung mindestens brauchen würde, sondern wie durch Strafen vermeintlicher Missbrauch verhindert wird. Soziale Absicherung wird damit zum Gnadenakt diffamiert. Die Umwandlung der Mindestsicherung in die Sozialhilfe sowie die Kürzungen und Einschnitte erhöhen den Druck und verursachen so mehr Wohnungslosigkeit.

Obdachlosigkeit: Ein Ergebnis falscher Politik

Nach neuesten Berechnungen waren letztes Jahr in Europa über 700.000 Menschen zumindest eine Nacht obdachlos. Das entspricht der Größe von Frankfurt. Das ist das Ergebnis falscher Politik. Es ist ein Systemversagen, dass die Einkommen mit den Wohnkosten nicht mehr Schritt halten. Es braucht stattdessen eine starke Sozialpolitik, Zugang zu leistbaren Wohnungen und Hilfe, die die Betroffenen befähigt anstatt sie zu bevormunden. Denn es gibt nachhaltige Lösungen: Wien hat eine Vorbildrolle in Europa, vor allem was den öffentlichen Wohnbau betrifft.

Die Europäische BürgerInneninitiative „Housing for All“ setzt sich für mehr leistbaren Wohnraum in der gesamten EU ein und kann ab sofort online unterstützt werden unter: www.housingforall.eu

Jeder Mensch will für sein Leben selbst Verantwortung tragen. Wenn wir uns für strukturelle Verbesserungen am Wohnungsmarkt einsetzen und auf das Säen von Misstrauen verzichten, helfen wir mit, dass Befähigung möglich wird. Denn hinter jeder wohnungslosen Person steht ein Schicksal, eine Geschichte und vor allem ein Mensch wie du und ich.

neunerhaus steht für nachhaltige Lösungen. Unterstützen Sie uns dabei!

 

>> Dieser Kommentar erschien erstmals in neuner News #37 – dem Magazin von neunerhaus.

Foto: (c) Christoph Liebentritt

  

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Elisabeth Hammer, neunerhaus Geschäftsführung
Foto: Christoph Liebentritt