„Ich hoffe, es wird gut gehen.“

Goran Z. ist 48 Jahre alt und in Wien geboren und aufgewachsen. Es ist sein erster Winter in Obdachlosigkeit. Dreimal in der Woche lässt er eine Wunde am Fuß im neunerhaus Gesundheitszentrum behandeln. So hat er auch den Weg ins Café nebenan gefunden. Der großgewachsene Mann spricht dort über seine Sorgen und seine Einsamkeit.

Das neunerhaus Café hat vor einer halben Stunde aufgesperrt. Draußen zeigt sich der Tag von seiner grauen Dezember-Seite. Drinnen sind die Tische bereits gut besetzt, es ist trotzdem sehr ruhig. Einige der Besucher*innen scheinen erschöpft zu sein, viele sind auch schon etwas älter. Manche der Gäste holen sich nach der Behandlung im neunerhaus Gesundheitszentrum einen Kaffee, andere warten noch auf ihren Termin. Goran Z. hat man noch nicht so oft im neunerhaus Café gesehen. Doch schnell kommt man mit ihm ins Gespräch. Wenn man ihn fragt, wie es ihm geht, antwortet er mit leiser, gedämpfter Stimme. Er erzählt, wie er in diese Situation gekommen ist, und meint damit den Verlust seiner Wohnung.

Goran Z. lebte zuletzt bei seiner Mutter. Geld war nie viel da. Wenn es kalt war, wurde nur der Heizkörper in der Küche aufgedreht. Das Zusammenleben gestaltete sich schwierig. Immer wieder kam es zu Konflikten, bis er schließlich seine Sachen zusammenpackte – und auf der Straße landete. Goran Z. sieht seinen Anteil daran, spricht von verbaler Gewalt, die er ausübte, aber nun abgelegt habe. Während des Sommers schlief er abwechselnd auf der Straße oder in Parks. Aktuell hat er im Rahmen des Winterpakets einen Schlafplatz.

„Nicht einmal als Regal-Einräumer wollten sie mich haben.“

Goran Z. hat schon viele verschiedene Jobs gehabt. Meistens verdiente er sein Geld als Hilfsarbeiter. Im neunerhaus Café erzählt der 48-Jährige von den Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche.
Einsamkeit und der Wunsch, mit jemandem reden zu können

Mit der Trennung von seiner letzten Freundin fiel für Goran Z. die wichtigste Ansprechperson weg. Fast hätten sie geheiratet, erzählt er. Er vermisst es, ins Kino zu gehen, spazieren zu gehen. Vor allem aber vermisst er jemanden, dem er sich anvertrauen kann.

„Ich will jemanden zum Reden. Ich red‘ ja schon mit mir selbst!“

Goran Z. fühlt sich alleine. Seit kurzer Zeit kommt er ins neunerhaus Café. Ein paar Gesichter kennt er schon.

Ans Kino gehen ist momentan gar nicht zu denken. Er kann sich kaum Essen leisten – auch deshalb kommt er ins neunerhaus Café, wo man sich gegen eine freiwillige Spende ein gesundes Mittagessen holen kann. Hätte er Geld, würde er sich zuerst eine Jeans kaufen – das käme bei Bewerbungsgesprächen besser an, sagt er. Woran er denkt, wenn es draußen noch kälter wird? Dass er froh ist, dass er eine dicke Jacke hat, die nicht kaputt ist. Und er hofft, dass „es gut gehen wird.“

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