Kein Platz für Abweichung

Lukas K. ist Ende 20 und trägt seine schwarzen Haare kurz. Sein Kleidungsstil ist sportlich-elegant und lässig. An diesem Vormittag trinkt er seinen Cappuccino im neunerhaus Café. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein Student, der sich auf dem Weg zur Vorlesung noch schnell einen Kaffee gönnt. Doch Lukas K. ist kein Student. Er ist verschuldet und psychisch stark belastet. neunerhaus hat nach dem Warum gefragt.

Seit einem dreiviertel Jahr kommt Lukas K. regelmäßig ins neunerhaus Café. Lukas K. heißt eigentlich anders, will seinen echten Namen aber nicht in diesem Beitrag lesen. An diesem Vormittag wirkt er etwas rastlos. Sein Blick wandert nervös im Café umher. Immer wieder geht er schnellen Schrittes hinaus, sieht sich draußen um, und kommt dann wieder herein. Er nimmt Platz und erzählt im Schnelldurchlauf seine Geschichte.

Ursprünglich stammt er aus einer wohlhabenden Familie, der er eher konservative Werte zuschreibt. Seine Familie habe deshalb auch ein „massives Problem“ mit seiner Sexualität, erzählt er. Er ist schwul. Aufgewachsen ist er in einer Kleinstadt, die traditionell vom Tourismus lebt und in der jeder jeden kennt. Eine typische österreichische Kleinstadt – mit einem Unterschied: Hier spielen Status und Geld eine besonders wichtige Rolle. Und wer dort aus vorgegebenen Mustern fällt, wird schnell abgestraft. Die Kleinstadt wird ihm zu eng. Lukas K. geht nach Wien.

Aufarbeitung der Vergangenheit und Rückzug in der Gegenwart

Über seine ersten Jahre in Wien redet er nicht viel. Darüber sagt er nur: „Ich habe eine arge Vergangenheit. Drogen, Gewalt, Prostitution.“ Er wohnt in einer Gemeindewohnung, das ist ihm aber unangenehm. Er erklärt warum: „Ich nehme jemanden seinen Platz weg.“ Denn, so sagt er, sei seine Familie ja sehr reich. Zu seiner Familie hat er aktuell keinen Kontakt, er kann und möchte sich keine Unterstützung erwarten.

„Eigentlich müssen einem doch die Eltern helfen, damit man eine Wohnung einrichten kann.“

Fast beiläufig lässt Lukas K. diesen Satz fallen, als es um seine aktuelle Wohnsituation geht.

Im Moment sei er damit beschäftigt, seine Vergangenheit in einer Therapie aufzuarbeiten. Er lebe gerade sehr zurückgezogen. Er findet, er ist noch wenig gesellschaftsfähig. Im neunerhaus Café – hier kann er sich den Kaffee und das Essen leisten – spielt das keine Rolle. Hier sind alle willkommen.


Junge Erwachsene in Wien – besonders armutsgefährdet

Junge Erwachsene, dazu zählt die Stadt Wien alle bis 25, sind besonders armutsgefährdet. Ihre Armutsgefährdungsquote liegt bei 36,5 %. In anderen Worten: In Wien ist jede dritte Person unter 25 von Armut bedroht (Stand 2023, Stadt Wien). 2.370 junge Menschen im Alter zwischen 18 und 30 waren 2024 in der Wiener Wohnungslosenhilfe registriert (Stand 2024, Fonds Soziales Wien).

Junge Erwachsene bei neunerhaus

2024 wurden 1.024 junge Menschen, die entweder nichtversichert oder obdach- oder wohnungslos waren, medizinisch versorgt, 114 Personen erhielten in unseren Wohnhäusern ein Zuhause. 86 junge Menschen wurden in ihren eigenen Wohnungen betreut und 6 junge Menschen haben am neunerhaus Peer Campus die Ausbildung zum Peer der Wohnungslosenhilfe abgeschlossen.

In der 56. Ausgabe der neuner News berichten junge Menschen, die selbst einmal von Obdach- oder Wohnungslosigkeit betroffen waren, wie sie den Weg zurück in ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben gefunden haben. Hier durchblättern.

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