„Sich als Mensch fühlen.“

Bernd Schlacher im Restaurant Chez Bernarnd. Foto: Christoph Liebentritt

Szenegastronom Bernd Schlacher unterstützt das neunerhaus Café. Mit Daniela Unterholzner, Geschäftsführung neunerhaus, spricht er über seine Beweggründe.

Daniela Unterholzner: Wir befinden uns hier im wunderschönen Restaurant Chez Bernarnd im Hotel Motto inmitten der Mariahilfer Straße. Worauf achten Sie besonders, wenn Sie ein Lokal eröffnen?

Bernd Schlacher: Für mich geht es darum, eine Grundidee und eine Überschrift zu haben. Dann folgen Überlegungen dazu, wie die Location, das fertige Produkt und die Gäste aussehen könnten, wie sie essen werden und welche Altersgruppe vertreten sein wird. Das habe ich bei der Planung alles im Kopf. Es macht mir wahnsinnig viel Spaß, kreativ zu sein, etwas ganz Besonderes zu schaffen. Neue Projekte begleite ich dann ein paar Jahre lang. Früher länger, heute kann ich leichter loslassen und den Jungen früher das Ruder und damit die Verantwortung übergeben.

Wie gestalten Sie dieses „Loslassen“?

Während der Einschulung der Mitarbeiter*innen erkennt man, wer das Potenzial hat, Verantwortung zu übernehmen. Dabei geht es mir aber auch um das schwer Messbare, also das Subjektive, „das Gefühl dabei“, das gilt es zu vermitteln.

Sie unterstützen das neunerhaus Café. Was waren hier Überschrift und Gefühl, die Sie überzeugt haben, sich hinter dieses Projekt zu stellen?

Mir war immer wichtig, dass ich ein Sozialprojekt mache; ich habe schon immer Schwächere unterstützt, zum Beispiel damals in der Schule dabei, Freund*innen zu finden. Neben dem Projekt eines Waisenhauses in Südafrika wollte ich auch in Wien etwas machen. Das neunerhaus Café ist nicht nur Gastronomie, sondern auch ein Zuhause. Auch meine Projektewaren jahrzehntelang für viele Menschen das Wohnzimmer, also ein Teil des Zuhauses.

Was bedeutet Zuhause für Sie?

Zuhause ist, wo man geschützt ist, Zuhause ist Familie, ob nun Blutsverwandtschaft oder Freund*innen oder Wohngemeinschaften. Familie kann auch ein Hund sein. Ich denke, dass in Zukunft viele Alleinstehende in eine Wohngemeinschaft zusammenziehen sollten, um nicht alleine zu sein. Zuhause kann auch ein Wohnzimmer oder ein Café sein – wo man hingeht, die Zeitung liest und den oder die Kellner*in kennt und sich auch Freundschaften ergeben. Die Gastronomie war für mich jahrzehntelang mein Zuhause, die Mitarbeiter*innen wie Familie.

Hatten Sie schon einmal Berührungspunkte mit Obdach- oder Wohnungslosigkeit?

Ja, zwei Personen in meinem Umfeld waren obdach- und wohnungslos. Das ist jedenfalls ein Thema für mich, denn die Zeiten werden nicht leichter. Die sozial Schwächeren werden es in Zukunft noch schwieriger haben, durch die Einsparungen wird die Obdachlosigkeit wohl ansteigen. Es wird ja niemand freiwillig obdachlos, darum ist es wichtig, den Menschen zu helfen. Deshalb ist das neunerhaus Café so wichtig. Dass Menschen, die hier hinkommen, eine Familie finden, mit jemandem sprechen können und sich als Mensch fühlen.

Was wünschen Sie neunerhaus?

Ich wünsche neunerhaus, dass das neunerhaus Café weiter finanziert werden kann, dass sich dort so viele Menschen wie möglich wohlfühlen und ihre Sorgen vergessen können, wenn sie dort bewirtet und als Mensch gesehen werden.


Bernd Schlacher wurde 1965 in der Steiermark geboren, hat eine Ausbildung bei der Eisenbahn absolviert, startete als Quereinsteiger in der Event- und Gastronomiebranche und gründete u.a. das Lokal „Motto“, das „Halle Café-Restaurant“ im Museumsquartier, das „Café Kunsthalle“ am Karlsplatz, „Motto am Fluss“. 2021 eröffnete das „Hotel Motto“ mit dem Restaurant „Chez Bernard“ auf der Wiener Mariahilfer Straße


Diese und weitere Geschichten lesen Sie in der 58. Ausgabe der neuner News – dem Spendenmagazin von neunerhaus.

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