Stolz, überlebt zu haben.

Absolventin Lina F. möchte am liebsten bis an ihr Lebensende als Peer arbeiten. Foto: neunerhaus

Auf der Suche nach einem besseren Leben kam Lina F. nach Österreich und landete schließlich auf der Straße. Nach dem Abschluss der Peer-Ausbildung bei neunerhaus hat sie endlich eine Perspektive und einen klaren Berufswunsch.

Wie kam es dazu, dass du wohnungslos geworden bist?

Ich bin mit meinem damaligen Freund nach Österreich gekommen. Wir wollten nicht bleiben, sondern reisen und arbeiten. In meiner Heimat habe ich trotz Arbeit in Armut gelebt und hatte keine Perspektive. Als wir nach Österreich kamen, haben wir uns bald getrennt. Ein Jahr lang war ich auf der Straße, bei Bekannten oder in besetzten Häusern. Ich bin auch in eine Sucht gerutscht.

Wie haben die Leute auf dich reagiert, als du obdachlos warst?

Ich habe gute und schlechte Erfahrungen gemacht. Es waren sehr, sehr nette Menschen dabei, die mir Essen gekauft haben. Ein Mädchen ging regelmäßig mit mir einkaufen oder ins Café. Aber ja, es wurde auch geschimpft und sogar gespuckt.

Wann hast du dich entschlossen, deine Situation zu ändern?

Eine Freundin hat sich von mir abgewandt. Sie nahm keine Drogen, ich schon. Ich habe sie angeschrien. Dann packte sie ihre Sachen, stand auf und fuhr weg. Da habe ich mir gedacht: „Mein Gott, was mache ich eigentlich?” Am nächsten Tag habe ich mit dem Konsum aufgehört.

Was sollten Menschen über Obdach- und Wohnungslosigkeit wissen?

Es ist nicht alles schwarz oder weiß. Nicht jede Geschichte verläuft wie meine. Natürlich gibt es einen Grund dafür, dass ich hier gelandet bin. Ich habe so viele Menschen auf der Straße kennengelernt, darunter viele gute, intelligente und sehr liebe Menschen. Viele Menschen denken, obdachlose Menschen wollten nichts ändern, sondern nur trinken und Drogen nehmen. Das stimmt nicht.

Wie war dein Praktikum im Rahmen der Ausbildung?

Ich war im stationär betreuten Wohnen für Männer im Alter von 18 bis 70 Jahren. Es hat mir Spaß gemacht. Eigentlich habe ich nichts anderes gemacht als in den letzten paar Jahren, in denen ich Freund*innen und Bekannten geholfen habe. Ich habe sie zu Arztterminen begleitet und bei Anträgen geholfen.

„Ich hoffe, dass ich einen guten Job als Peer finde. Ich würde das gerne bis zum Ende meines Lebens machen.“

Bereits das Praktikum im Rahmen der Ausbildung zeigte Lina F., wie wertvoll ihre Sprachkenntnisse und ihre Erfahrungen sind.
Welches Thema liegt dir bei der Arbeit als Peer besonders am Herzen?

Gespräche zu führen, denn das hilft sehr. Vor meinem Praktikum hätte ich nicht gedacht, dass ich so viel helfen kann. Im Wohnheim lebte ein alter, dementer Mann. Ich konnte mit ihm in seiner Muttersprache reden und er hat zum ersten Mal seit Jahren sein Wochengeld nicht vergessen abzuholen. Das war eine sehr schöne Erfahrung.

Worauf bist du stolz?

Dass ich das überlebt habe.


Peers der Wohnungslosenhilfe – Erfahrung wird zur Expertise

Am neunerhaus Peer Campus absolvieren ehemals obdach- und wohnungslose Menschen einen siebenmonatige Ausbildung. Diese Ausbildung befähigt sie zur Arbeit in der Wohnungslosenhilfe und ermöglicht ein eigenständiges Einkommen.

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