Absolvent*innen feiern ihren Abschluss am Peer Campus

Absolvent*innen 2026 neunerhaus Peer Campus Foto: Christoph Liebentritt

Seit 2019 bildet neunerhaus in einem Zertifikatskurs gemeinsam mit dem Fonds Soziales Wien (FSW) ehemals obdach- und wohnungslose Menschen zu „Peer-Mitarbeiter*innen der Wohnungslosenhilfe“ aus. 17 Absolvent*innen schlossen 2025 den bereits achten Zertifikatskurs ab.

Auf der Bühne: Teilnehmer*innen und ihre Abschlussarbeiten

Nach sieben Monaten endet die Ausbildung für die Teilnehmer*innen mit der Präsentation ihrer Abschlussarbeiten. Anspannung, Nervosität, aber auch Erleichterung liegen an diesem Donnerstag in der Brunnenpassage in der Luft, wenn die 17 Teilnehmer*innen nacheinander ihre Arbeiten auf der Bühne vor versammeltem Publikum vortragen. In ihren Arbeiten setzen sie sich mit ihrer eigenen Geschichte auseinander, analysieren die Wohnungslosenhilfe, benennen strukturelle Hürden und Lücken und entwickeln Lösungsvorschläge. Sie tun dies mit einem Schmäh, in einer Ernsthaftigkeit, und immer mit einem Tiefgang, der nur möglich ist, weil sie selbst Expert*innen sind – ihrer eigenen Geschichte und der Wohnungslosenhilfe, die sie nicht nur als Nutzer*innen kennengelernt haben, weil sie selbst obdach- oder wohnungslos waren, sondern auch im Rahmen des Praktikums.


Mit den neuen 17 Absolvent*innen gibt es nun insgesamt 133 Peers der Wohnungslosenhilfe, fast 80 sind derzeit in 13 Einrichtungen der Wiener Wohnungslosenhilfe angestellt. Bei neunerhaus arbeiten 13 Peer-Mitarbeiter*innen.


Immer mehr Frauen schließen die Ausbildung ab. Gerade für weibliche obdach- und wohnungslose Menschen, bedeutet der Abschluss eine Möglichkeit, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen.

Wohnungslosigkeit beenden: Mit Ausbildung, Arbeit und einer eigenen Wohnung

„Die Peer-Ausbildung ist ein großartiges Projekt zum Arbeitsmarkt. Sie zeigt, dass auch Menschen mit brüchigen Bildungs- und Arbeitsbiografien der Schritt in den regulären Arbeitsmarkt gelingen kann. Für uns bedeutet dies gleichzeitig einen Riesenschritt weg von der Verwaltung hin zur Beendigung von Wohnungslosigkeit“, so Elisabeth Hammer, neunerhaus Geschäftsführung. „Housing First ist ein zentraler Ansatz unserer Arbeit, um Obdach- und Wohnungslosigkeit langfristig entgegenzuwirken. Das Peer-Projekt zeigt, dass die Strategie funktioniert: Mit dem Zertifikat gibt es für die Peers die Möglichkeit einer festen Anstellung bei einer der teilnehmenden Partnerorganisationen, das gibt ihnen unmittelbar Stabilität und Sicherheit“, bekräftigt Markus Hollendohner, Leiter der Strategie Obdach- und Wohnungslosenhilfe im FSW.

Am Ende der Veranstaltung weicht die Anspannung langsam einem Gefühl, das die Absolvent*innen sich lange nicht zugestanden haben. Stolz. Sie sind stolz darauf, den Weg bis hierher gegangen zu sein. Um es mit den Worten einer der Absolvent*innen zu sagen: Ihre Reise ist noch nicht zu Ende. Der Peer Campus hat ihnen dabei geholfen, ihre Koffer zu packen. Jetzt geht es weiter.


* Der Zertifikatskurs Peers der Wohnungslosenhilfe wurde 2017/2018 gemeinsam von neunerhaus und dem FSW entwickelt und wird durch den FSW gefördert

neunerhaus Adventkalender

Jeden Tag gibt es einen von 24 wundervollen Preisen zu gewinnen.