Ein Tisch, ein Bett und Wärme

Adele Neuhauser im Gespräch mit Elisabeth Hammer, neunerhaus Geschäftsführung Foto: Christoph Liebentritt

Schauspielerin Adele Neuhauser spricht mit Elisabeth Hammer, neunerhaus Geschäftsführung, über Krisen, den Wert der eigenen Wohnung und Freundschaften.

Elisabeth Hammer: Was bedeutet Wohnen für Sie?

Adele Neuhauser: Nach der Arbeit komme ich nach Hause, mache meine Abendroutine und dann ab ins Bett. Ich war lange in diesem Hamsterrad drinnen. Jetzt habe ich erstmals Zeit, das Wohnen zu genießen. Das ist mein Raum, den ich mir gestalte, der aus so vielen Erinnerungen zusammengestellt und dadurch zu meinem geworden ist. Ich merke, wie gut mir das tut. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte das nicht, wie entwurzelt ich da wäre.

Was ist das Minimale, das ein Zuhause für Sie ausmacht?

Ein Tisch, ein Bett – und Wärme. Der Tisch ist ganz wichtig: ein Platz, wo man Menschen empfangen, aufrecht sitzen und seinen Tag gestalten oder verarbeiten kann. Das Bett ist der Schutzraum, dieser Übergang in die Ewigkeit – weil man weiß ja nicht, wacht man wieder auf. Ab einem gewissen Punkt wird diese Möglichkeit immer vordergründiger. Umso mehr muss das ein Platz sein, der nicht nur funktional ist ,sondern auch gefeiert wird. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich diesen Raum betrete, er ist winzig, er besteht quasi nur aus einem Bett – aber mehr braucht man ja nicht.

Und wie ist das mit der Wärme?

Auch die Wärme ist wirklich entscheidend. Gerade zu Corona wurden wir reduziert auf uns selbst, auf unsere Räume, darauf, wie viel Energie wir verbrauchen. Da habe ich versucht, Heizkosten zu reduzieren und habe gemerkt, das wird schwierig. Also da wird mir doch kalt. Natürlich gehen Decken und Pullover und im Schlafzimmer muss es auch nicht so warm sein. Aber da ist mir bewusst geworden, was Wärme für mich bedeutet. Wenn man permanent unter Kälte leidet, braucht man so viel Energie, dass man gar nicht mehr zu anderen Dingen kommt.

Sie sind ein Beispiel dafür, dass jedes Leben, auch ein prominentes, Krisen haben kann. Was würden Sie Menschen raten, die aktuell in einer Krise sind?

Eine Krise ist im ersten Moment bedrohlich, wie in meinem Fall. Sie war von mir kreiert, ich kann niemanden dafür verantwortlich machen und das will ich auch gar nicht. Eine Krise ist wichtig, um sein Leben zu überdenken. Was will ich in diesem Leben? Was kann ich mit diesem Leben anfangen? Zum Glück habe ich mich überlebt und rückblickend weiß ich, dass es mich gestärkt hat. Dass es mich noch positiver zum Leben eingestellt hat und dass man durch alles durchkommt. Es ist erstaunlich, was man alles schaffen kann.

Welche Bedeutung haben soziale Beziehungen, Freund*innen und Familie für Sie?

Ich dachte immer, ich wäre ein Familienmensch – bin ich auch – aber ich merke immer mehr, dass Freunde einen sehr großen Stellenwert einnehmen. Du sprichst in der Familie nicht so offen wie mit deinen Freunden. Für die Familie willst du Harmonie, Sicherheit und Geborgenheit, aber mit den Freunden kannst du über alles sprechen, auch über mögliche Schieflagen und Sorgen. Es ist wichtig, sich in einem geschützten Raum auszutauschen.


Zur Person

Adele Neuhauser wurde 1959 in Athen geboren, absolvierte eine Schauspielausbildung, spielte in Theater- und Fernsehproduktionen, u.a. „Vier Frauen und ein Todesfall“, „Tatort“. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter eine Romy, den Darstellerpreis der Bayerischen Theatertage und den Grimme-Preis. 2017 veröffentlichte die Schauspielerin ihre Autobiografie: „Ich war mein größter Feind“


Dieser Text erscheint in der 59. Ausgabe der neuner News – das Spendenmagazin von neunerhaus. Ihr Beitrag schreibt Geschichten.

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