Namaste im neunerhaus Hagenmüllergasse – gemeinsam in Bewegung kommen

Foto: neunerhaus

Regelmäßige Yoga-Stunden, Achtsamkeit und Gesundheitsvorsorge – für viele gehört das zum modernen Lifestyle. Für Menschen, die obdach- oder wohnungslos waren, liegt diese Welt oft in weiter Ferne. Dass Yoga aber nicht nur in Hochglanz-Studios funktioniert und Wohlbefinden kein Privileg sein muss, zeigt die Frauen-Bewegungsgruppe im neunerhaus Hagenmüllergasse.

Frage: Jeden Montag praktiziert ihr gemeinsam mit Sozialarbeiterin und Yoga-Lehrerin Steffi im Aufenthaltsraum und Café s’neunerl Yoga. Was ist eure Motivation, an der Frauen-Bewegungsgruppe teilzunehmen?

Angelika T.: Frau A. ist meine Sozialarbeiterin und hat mich verpflichtet (alle lachen). Nein, ich bin mit Manuela mitgegangen.

Manuela L.: Am Anfang habe ich mir gedacht, ‚so ein Blödsinn‘ (lacht). Aber mittlerweile ist es ein Pflichttermin für mich. Es ist so schön, sehr entspannt. Mein Gleichgewicht wird schon besser und es hilft mir psychisch sehr, sehr viel.

Nina R.: Meine Psychologin hat es mir empfohlen. Mit den Atemübungen komme ich ins Gleichgewicht. Das hilft mir, meine innere Ruhe zu finden. Es ist einfach toll, wie Frau A. das macht.

Steffi, du bist Sozialarbeiterin im neunerhaus Hagenmüllergasse und Yoga-Lehrerin. Warum gibt es diese Yoga-Stunde?

Steffi A.: Ich habe mir gedacht, so eine Bewegungsgruppe für Frauen fehlt uns. Es ist einfach was Schönes, gemeinsam in Bewegung zu kommen. Wir wollen die Mobilität und das Körpergefühl steigern, gemeinsam eine gute Zeit haben und gleichzeitig nach Innen kommen, Ruhe finden, abschalten können. Man kann ganz viel aus der Yogapraxis in den Alltag mitnehmen. Man kann nicht nur auf der Matte diese Gelassenheit und Ruhe finden: Wenn es im Alltag stressig ist: Einfach mal die Augen schließen und einmal bewusst ein- und ausatmen.

Was schätzt ihr an der Yoga-Stunde?
Die Yoga-Gruppe im neunerhaus Hagenmüllergasse. Foto: neunerhaus

Manuela L.: Frau A. hat eine sehr angenehme, sanfte Stimme. Und wir haben immer sehr schöne Musik.

Angelika T.: Wir haben immer Spaß und es sind nur Frauen dabei.

Nina R.: Ich habe früher viel Fitness gemacht, das geht jetzt nicht mehr. Hier kann ich wieder langsam anfangen.

Warum ist die Bewegungsgruppe nur für Frauen?

Steffi A.: Es soll ein geschützter Raum sein, der die Freiheit gibt, den Körper zu spüren, ohne das Gefühl zu haben, da könnten komische Blicke oder Bemerkungen kommen. Das war mir wichtig, aber das haben auch die Teilnehmerinnen klar kommuniziert.

Hat sich seit der ersten Einheit schon etwas verändert?

Manuela L.: Ja. Ich gehe immer so (zeigt eine gebückte Haltung). Das ist nicht schön, deshalb will ich lernen, das Gleichgewicht zu finden. Wenn ich draußen bin, eigentlich egal wo, achte ich auf meine Atmung. Ich bleibe stehen. Mache die Augen zu. Und manche Übungen mache ich auch zuhause.

Steffi, was sind die Unterschiede zwischen einer Yoga-Stunde im Studio und hier im s‘neunerl im neunerhaus Hagenmüllergasse?

Steffi A.: Natürlich die Räumlichkeiten, aber an und für sich ist es sehr ähnlich. Ich stelle mich darauf ein, was meine Teilnehmerinnen brauchen, und passe die Übungen an ihre Bedürfnisse an. Die Übungen finden im Stehen, im Sitzen oder klassisch auf der Matte statt. Die Yoga-Einheit dauert nur 30 Minuten, weil ich die Hemmschwelle so niedrig wie möglich gestalten wollte.

DANKE an KARMA SUPPLY

Die Matten wurden von Karma Supply kostenlos zur Verfügung gestellt. Jede Teilnehmerin hat ihre eigene Matte. DANKE. Oder um es mit den Worten von Teilnehmerin Angelika T. zu sagen: „Ohne die Matten wäre die Stunde gar nicht möglich!“


Gesundheit bei Obdach- und Wohnungslosigkeit

Ein prekäre Wohnsituation wirkt sich immer auf die Gesundheit aus. Je länger die Phase der Obdach- oder Wohnungslosigkeit dauert, umso komplexer werden gesundheitliche Themen. Krankheiten können nicht angemessen behandelt werden, manche wurden noch nicht einmal diagnostiziert. Gesundheitsangebote sind deshalb neben dem neunerhaus Gesundheitszentrum auch in allen drei neunerhaus Wohnhäusern fest verankert. Neben medizinischer und psychosozialer Versorgung geht es auch darum, Wissen über einen gesunden Lebensstil zu vermitteln. Denn wer damit beschäftigt ist, den Alltag unter schwierigen Bedingungen zu bewältigen, hat kaum die Möglichkeit, sich mit Gesundheitsvorsorge und einem gesunden Lebensstil auseinanderzusetzen.

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