
Michaela W. ist kaum ohne ihre Hündin Cindy anzutreffen. Das Tier hat sie durch ihre schwerste Zeitgetragen. Heute wohnen beide im neunerhaus Hagenmüllergasse.
Von Krankheit und Wohnungsverlust
Wer mit Michaela W. spricht, würde nicht ahnen, dass sie eine schwere Zeit hinter sich hat. Die quirlige Pensionistin spricht lebhaft, gestikuliert großzügig, lacht viel und scheint immer auf dem Sprung zu sein. Vor einiger Zeit war das noch anders. Eine psychische Erkrankung legte sich wie eine Schlinge um das Leben der Wienerin. Zuerst kaum merkbar. Leise zog sie sich zusammen, bis der Alltag immer schwieriger zu bewältigen war. An Arbeit war nicht mehr zu denken, Briefe wurden nicht geöffnet, Rechnungen und Mahnungen nicht bezahlt.
Wenn Frauen obdach- oder wohnungslos werden
In Wien sind mehr als 11.500 Menschen als obdach- oder wohnungslos registriert. Ein Drittel davon sind Frauen. Wie viele tatsächlich ohne eigene Wohnung sind, bleibt im Dunkeln. Denn gerade Frauen sind von verdeckter Wohnungslosigkeit betroffen, ziehen von zu Couch oder ertragen Gewalt in einer Beziehung, um nicht auf der Straße zu landen. Als Michaela W. die Wohnung verlor, fand sie zunächst Unterschlupf in Notquartieren, später in einem Übergangswohnhaus. Dort lernte sie Cindy kennen und übernahm die Hündin von deren Vorbesitzerin. Seitdem sind die beiden unzertrennlich.
neunerhaus: Tiere ausdrücklich erwünscht
Für obdach- und wohnungslose Menschensind ihre Tiere nicht nur wichtig, sondern Beschützer und Lebensretter – insbesondere für Frauen, die auf der Straße leben müssen. neunerhaus war die erste Sozialorganisation in Wien, die Tiere in den Wohnhäusern erlaubte. Umso erfreulicher jener Anruf, den Michaela W. im Sommer 2024 erhielt. Sie kann gemeinsam mit Hündin Cindy ins neunerhaus Hagenmüllergasse einziehen. Die Geschichte von Michaela W. nahm eine positive Wendung. Mit ihrer kleinen Pension kann sie sich ihre Wohnung leisten. Vor Ort unterstützen medizinische und pflegerische Fachkräfte sie dabei, mit ihren Erkrankungen gut umzugehen. Gemeinsam mit Sozialarbeiter*innen, Assistent*innen für Wohnen und Alltag sowie Peer-Mitarbeiter*innen sorgen sie dafür, dass die Bewohner*innen einen möglichst normalen Alltag und ein würde volles Leben führen können. Für Michaela W. steht fest: Hier will sie nicht mehr ausziehen.
Weibliche Obdach- und Wohnungslosigkeit ist anders
In Österreich sind 6.629 Frauen offiziell als obdach- oder wohnungslos registriert. Das entspricht rund einem Drittel aller erfassten Betroffenen. Die Dunkelziffer ist jedoch weitaus höher. Sie sind verdeckt wohnungslos. neunerhaus schafft Angebote und eine Atmosphäre, die wohnungs- und obdachlosen Frauen Sicherheit bieten. Über die strukturellen Ursachen weiblicher Obdach- und Wohnungslosigkeit und darüber, wie der Weg in ein selbstbestimmtes Leben langfristig gelingen kann, informieren wir auf neunerhaus.at/frauen.
Quellen: Statistik Austria
Diese und weitere Geschichten lesen Sie in der 58. Ausgabe der neuner News – dem Spendenmagazin von neunerhaus.