Caro E. (Name geändert) führte jahrelang ein Doppelleben. Als Sozialbetreuerin für Behindertenarbeit hielt sie den Anschein aufrecht, ein gefestigtes Leben zu führen. Hinter der Fassade kämpfte sie gegen ihre Kokainabhängigkeit. Als Peer der Wohnungslosenhilfe kann sie ihr Versteckspiel endlich beenden.
Wie kam es dazu, dass du obdach- bzw. wohnungslos wurdest?
Ich war Anfang 20 und drogenabhängig. Meine Mutter hat mich rausgeschmissen. Sie dachte, das würde etwas bringen, hat es aber nicht. Dabei möchte ich schon sagen, dass mich meine Familie immer unterstützt hat. Ohne mein familiäres Netzwerk hätte ich nichts erreicht und meine Ausbildungen zu jener Zeit nicht abgeschlossen.
„Ich habe mich am neunerhaus Peer Campus beworben, weil ich kein Doppelleben mehr führen will. Als Peer kann ich offen über meine Vergangenheit sprechen, ohne verurteilt zu werden.“
In der Arbeit als Peer der Wohnungslosenhilfe kann Caro E. ihre Vergangenheit als wertvolle Ressource einsetzen.
Du warst als junge Frau auf der Straße?
Ich habe für einige Monate in einem Übergangsquartier gewohnt.
Was war der Wendepunkt in deinem Leben?
Das war vor drei Jahren. Ich stand vor Gericht, wurde aber nicht verurteilt, sondern konnte gemäß Paragraf 39 eine Therapie beginnen (Anm.: Rechtsgrundsatz: Therapie statt Strafe nach einem Rechtsbruch). Ich habe sie mit Ach und Krach geschafft. Das hat mein Leben verändert.
Worauf bist du stolz?
Ich habe im Alter von zwölf Jahren mit Drogen begonnen, jetzt bin ich 36. Ich habe also fast mein ganzes Leben lang Drogen genommen. Ich bin stolz darauf, dass ich trotz meiner Drogenabhängigkeit eine Ausbildung zur Behindertenbetreuerin abgeschlossen und in diesem Bereich gearbeitet habe. Und ich bin stolz darauf, dass ich mit den Drogen aufgehört habe und das Versteckspiel damit auch aufhören kann.
„Diese Zeit liegt hinter mir, auch meine Sprache hat sich verändert. Das richtige Wording ist sehr wichtig im Leben.“
Im Umfeld von Caro E. ging man teilweise sehr rau miteinander um. Das hat sich nun verändert. Ein wesentlicher Teil davon ist die Sprache, die sie nun wählt.
Peers der Wohnungslosenhilfe – Erfahrung wird zur Expertise
Am neunerhaus Peer Campus absolvieren ehemals obdach- und wohnungslose Menschen einen siebenmonatige Ausbildung. Diese Ausbildung befähigt sie zur Arbeit in der Wohnungslosenhilfe und ermöglicht ein eigenständiges Einkommen. Caro E. ist eine von 17 Absolvent*innen, die 2026 die Ausbildung abgeschlossen haben.