„Es hat seine Zeit gebraucht.“

Mahdi M. absolvierte 2026 den neunerhaus Peer Campus © neunerhaus

Mahdi M. kann seine Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Aber er hat für die Gegenwart und Zukunft seine Lehren daraus gezogen: Menschen können sich ändern. Die Ausbildung zum Peer in der Wohnungslosenhilfe bei neunerhaus ermöglicht ihm den Umstieg von der Privat- in die Sozialwirtschaft – auch hauptberuflich.

Du hast gerade die Ausbildung am neunerhaus Peer Campus abgeschlossen. Was wünscht du dir für deine Zukunft?

Ich möchte so viele Menschen wie möglich am Weg zum besseren Leben begleiten. Ich wünsche mir eine erfüllende und sinnhafte Arbeit.

Wie bist du auf die Peer-Ausbildung gekommen?

Ich habe in einem großen Telekommunikationsunternehmen gearbeitet. Ich war gefangen in einem kapitalistischen System. Nach jedem Dienst bin ich in voller Leere nachhause gegangen. Es hat sich angefühlt, als würde ich meine Seele verkaufen, um gute Verkaufszahlen zu erzeugen. Ich arbeite schon ehrenamtlich im Behindertenbereich und auf der Suche nach einer sozialen Arbeit habe ich die Peer-Ausbildung gefunden. Ich weiß nicht, ob ich drei bis fünf Jahre investiert hätte, um Soziale Arbeit zu studieren. Hier kriege ich die Möglichkeit, innerhalb von sieben Monaten eine Ausbildung zu absolvieren und sofort in den Beruf einzusteigen. Das ist etwas sehr Großes.

Worauf möchtest du als Peer deinen Fokus legen?

Auf Aktivierung, sinnvolle Freizeitgestaltung, den Wiedereinstieg in die Berufswelt und Sucht. Dieses Thema hat mich sehr lange beschäftigt.

„Man muss auf Nutzer*innen zugehen und sie fragen, was sie brauchen. Man kann ihnen Möglichkeiten aufzeigen und Dinge präsentieren. Aber ob das das ist, was die Person möchte, das entscheidet sie oder er selbst.“

Mahdi M. über seinen Zugang zur Peer-Arbeit.
Wie wurdest du obdach- bzw. wohnungslos?

Aufgrund einer schweren psychischen Krise, Suizidalität und Sucht. Nach einem Therapieaufenthalt wurde ich wieder akut obdachlos.

Wie hast du es geschafft, da rauszukommen?

Ich war zwei Mal in Therapie. Das erste Mal hat nicht geklappt. Mittlerweile ist Yoga ein großes Werkzeug, eine große Ressource für meine Recovery, für meine Selbst-Genesung. Es ist meine Selbst-Fürsorge.

Was muss man über das Leben auf der Straße wissen?

Es braucht sehr viele Ressourcen, Kreativität, Willensstärke und Kraft, um so leben zu können. Ich bewundere die Menschen, die das über eine längere Zeit schaffen. Ich persönlich wollte nicht mehr Leben, als es hieß, ich habe keine Geborgenheit, kein Zuhause mehr. Das war für mich das Aus. Für mich sind das Überlebenskünstler, von denen man viel über Resilienz lernen kann.

Was möchtest du noch loswerden?

Es hat seine Zeit gebraucht, damit sich etwas wandelt. Der Kern dieser Aussage soll sein, dass sich Menschen ändern können. Ich habe der Welt und den Menschen sehr viel Leid zugefügt, aber ich habe mich geändert. Diese Möglichkeit steckt in jedem Menschen, wenn man ihnen genug Zeit und Geduld entgegenbringt.



Peers der Wohnungslosenhilfe – Erfahrung wird zur Expertise

Am neunerhaus Peer Campus absolvieren ehemals obdach- und wohnungslose Menschen einen siebenmonatige Ausbildung. Diese Ausbildung befähigt sie zur Arbeit in der Wohnungslosenhilfe und ermöglicht ein eigenständiges Einkommen.

neunerhaus Adventkalender

Jeden Tag gibt es einen von 24 wundervollen Preisen zu gewinnen.