„Ich verdiene eine stabile Zukunft.“

Layla S. absolvierte 2026 den neunerhaus Peer Campus © neunerhaus

Layla S. floh vor dem Krieg. Ihr damaliger Aufenthaltsstatus stellte sich ihr und ihrer Tochter wie eine unüberwindbare Mauer in den Weg. Ein gutes Leben mit Arbeit und eigener Wohnung, für das sie so sehr kämpfte, schien lange außer Reichweite. Layla S. gab dennoch nicht auf. Im März 2026 schloss sie die Ausbildung zur Peer der Wohnungslosenhilfe bei neunerhaus ab und bezog ihre erste eigene Wohnung. Über strukturelle Hürden am Arbeits- und Wohnungsmarkt.

Was hat bei dir zu Obdach- beziehungsweise Wohnungslosigkeit geführt?

Als ich nach Österreich gekommen bin, hatte ich keine eigene Wohnung. Am Anfang ist das bei vielen Flüchtlingen so. Man wohnt zuerst in einer Unterkunft der Grundversorgung. Vor drei Jahren habe ich den Daueraufenthalt erhalten. Davor war ich subsidiär schutzberechtigt und habe in einem Flüchtlingsheim gewohnt. Mit diesem Status war es sehr schwierig, das Leben zu organisieren – auf dem Weg zu einer Wohnung oder zu einer Arbeit sind sehr viele Hürden zu bewältigen. Obwohl man offiziell freien Zugang zum Arbeitsmarkt hat, ist es in der Praxis für Personen mit dem Status „Schutzberechtigte“ deutlich komplizierter. Viele wohnen in organisierten Unterkünften der Grundversorgung. Sobald man eine Arbeit aufnimmt, ist man mit einer Einkommensgrenze konfrontiert. In der Praxis bedeutet das, dass Arbeiten oft gleichbedeutend mit Schuldenmachen ist: Wer arbeitet, riskiert Rückforderungen. Wer jedoch nicht arbeitet, hat kaum eine Chance, aus der Unterkunft auszuziehen, obwohl das Leben dort sehr belastend ist. So geraten viele Menschen mit subsidiärem Schutz in eine strukturelle Sackgasse und ein Dilemma: arbeiten und Schulden machen, um die Rückforderungen bezahlen zu können oder nicht arbeiten und keine Perspektive haben – keine stabile Zukunft und kaum Zugang zu eigenem Wohnraum.

„Es ist sehr schwierig, sich unter diesen Umständen ein Leben aufzubauen.“

Layla S. spricht über die strukturellen Hürden für subsidiär schutzberechtigte Menschen in Österreich.
Was hat diese Zeit mit dir gemacht?

Ich habe mich manchmal ungeschützt beziehungsweise schutzlos gefühlt. Ich hatte keinen Halt, habe mich ohnmächtig gefühlt. Auf dem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben habe ich einen Teil meiner psychischen Gesundheit verloren. Im Wohnheim zu wohnen war sehr schwierig, es kam oft zu Konflikten. Davon war nicht nur ich, sondern auch meine Tochter betroffen. Ich selbst nehme immer noch Antidepressiva.

Kurz nach deinem Abschluss am neunerhaus Peer Campus – was wünschst du dir für die Zukunft?

Einen guten Job und eine stabile Zukunft. Ich habe sehr um diese Zukunft gekämpft, seit 2010 oder noch länger? Ich habe viel hinter mir, deshalb verdiene ich eine stabile, schöne Zukunft mit einem Job als Peer.

Was sollten Menschen über Obdach- und Wohnungslosigkeit wissen?

Der eigene Wohnraum, die eigene Wohnung ist sehr wichtig für die Stabilisierung – auf allen Ebenen. Das Allerwichtigste ist die Gesundheit – keine Wohnung, keine Gesundheit, weder psychische und noch physische. Die Menschen auf der Straße sind der Hitze und Kälte ausgesetzt, werden dadurch krank. Wohnraum zu haben ist wirklich das Allerwichtigste.


Peers der Wohnungslosenhilfe – Erfahrung wird zur Expertise

Am neunerhaus Peer Campus absolvieren ehemals obdach- und wohnungslose Menschen einen siebenmonatige Ausbildung. Diese Ausbildung befähigt sie zur Arbeit in der Wohnungslosenhilfe und ermöglicht ein eigenständiges Einkommen.

neunerhaus Adventkalender

Jeden Tag gibt es einen von 24 wundervollen Preisen zu gewinnen.