„Ohne Herz geht nichts.“

Kardiologin Cornelia D. ist ehrenamtliche Fachärztin bei neunerhaus © neunerhaus

Cornelia D., Kardiologin, weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, als Bittstellerin behandelt zu werden, und möchte ihren Patient*innen diese Erfahrung ersparen. Für neunerhaus übernimmt die Herzspezialistin zwei bis drei Patient*innen pro Woche ehrenamtlich. Sie wird das so lange machen, wie eine Gesellschaft auf Ehrenamt angewiesen ist. Über Entbehrungen und ein widerständiges Engagement.

Sie sei keine freundliche Ärztin, manche würden sie gar als „fürchterlich grantig“ bezeichnen, sagt die Kardiologin Cornelia D. über sich selbst – mit einem Augenzwinkern und breitem Lächeln. Sie empfängt neunerhaus in ihrer Ordination im 4. Wiener Gemeindebezirk, wo sie neben Wahlarzt- und Kassen-Patient*innen auch neunerhaus-Patient*innen versorgt. Als 2015 Menschen vor dem Krieg in Syrien flüchteten, begann sie sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren und leistet seither medizinische Hilfe für nichtversicherte sowie obdach- und wohnungslose Menschen.

„Es geht um die Patient*innen und um die Krankheit. Um nichts anderes.“

Cornelia D. macht keinen Unterschied darin, welche Patient*innen vor ihr stehen. Sie behandelt alle Menschen, die zu ihr kommen, gleich.

Sprache – Zeit – Verständnis

Für die Ärztin ist die Sprache der Schlüssel, um Patient*innen und ihre Krankheiten zu verstehen – und auch, um ihnen Ängste zu nehmen. Wenn Patient*innen eine andere Erstsprache als Deutsch sprechen, setzt sie Video-Dolmetsch ein – ein Angebot von neunerhaus, das ihrer Meinung nach schon längst im Gesundheitswesen etabliert sein sollte. Jeder Mensch sollte im Krankheitsfall die Möglichkeit haben, alles sagen zu können, „sonst kommt er sich abgeschasselt vor“, so die Kardiologin. Die 15 Minuten, die sie im Kassenbetrieb pro Patient*in hat, reichen kaum aus, um Informationen abzufragen und weiterzugeben. Bei Patient*innen, die obdach- oder wohnungslos oder nichtversichert sind, braucht sie allein schon die 15 Minuten, um ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie ernst genommen werden.

„Wenn man alles in Ruhe erklären kann, sind in der Regel nicht sehr viele Folgetermine nötig.“

Information geordnet weiterzugeben sei eine der Kernelemente guter medizinischer Arbeit, so Kardiologin Cornelia D.

Engagement im Widerstand

„Ich habe halt das Glück gehabt, in einem Land wie Österreich geboren zu werden“, sagt die Ärztin. Gleichzeitig war ihre eigene Kindheit von großen Entbehrungen geprägt. Die Familie schrammte am Existenzminimum entlang und konnte sich gerade so mit Notstandshilfe über Wasser halten. Sie stellt klar: „Wenn ich sage, wir hatten kein Geld, dann meine ich auch wirklich, dass wir kein Geld hatten.“ Die Kardiologin hatte mit 14 Jahren ihren ersten Job und finanzierte ihr Studium später selbst. Sie entschied sich für das Medizinstudium, weil sie etwas tun wollte, das immer gebraucht wird. Die Spezialisierung auf das Herz-Kreislauf-System ist eine konsequente Fortführung dieser Logik – denn: „Ohne Herz geht halt nichts.

„Dieses Betteln um eine ganz normale Reaktion oder Behandlung macht einen psychisch krank.“

Cornelia D. sagt, ihr ehrenamtliches Engagement sei auch biografisch begründet. Bei ihr sind die Patient*innen keine Bittsteller.

Für die Medizinerin ist das Ehrenamt „extrem bereichernd“. Sie schwärmt von der Vielfalt der Patient*innen, der Möglichkeit, die eigene Kommunikationsfähigkeit zu verbessern, und davon, Krankheitsbilder neu und anders zu analysieren. Sie ist aber auch der Meinung, dass alle kranken Menschen die Behandlung bekommen sollten, die sie brauchen. Das Ehrenamt sollte dieses Problem aber nicht dauerhaft lösen müssen: „Ein Staat sollte sich nicht auf das Ehrenamt verlassen und darf nicht damit kalkulieren. Er sollte selbst eingreifen.“


20 Jahre Gesundheit für alle

Über 36.000 obdach- und wohnungslose sowie nichtversicherte Menschen wurden in den letzten 20 Jahren von neunerhaus medizinisch versorgt. Gesundheit darf kein Privileg sein. Dafür setzt sich neunerhaus täglich ein.

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