„Wie in einem echten Restaurant“

Jozeph L. kommt gerne ins neunerhaus Café Foto: Christoph Liebentritt

Zurückhaltend, freundlich, höflich. So erlebt man Jozeph L., der regelmäßig das neunerhaus Café in der Margaretenstraße 166 besucht. Als der 61-jährige für kurze Zeit obdachlos wurde, erholte er sich gerade erst von den Folgen eines Schlaganfalls. Seine Geschichte zeigt, wie niederschwellige Hilfe in einer akuten Krise langfristig Obdach- und Wohnungslosigkeit beenden kann.

Ursprünglich aus der Slowakei, hat Jozeph L. die letzten 17 Jahre in Österreich gearbeitet. Auch in der Slowakei, in Tschechien, Ungarn, in der Türkei und in der Schweiz war er als Tischler tätig. Im Mai 2025 suchte Jozeph L. Hilfe im neunerhaus Café. Aufgrund eines familiären Disputs stand er plötzlich auf der Straße. Seine Gesundheit war zu dieser Zeit stark angeschlagen. Er erlitt einige Zeit zuvor einen Schlaganfall. Vieles musste er seither neu lernen. Für sein Zittern, das ihm aus dieser Zeit geblieben ist, entschuldigte er sich höflich, als er diesem Interview zustimmte.

„Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet. Die Pension war ein großer Schock. Das war schwer für mich. Seit meinem Schlaganfall kann ich alles nur mehr mit Links machen.“

Der Start in die Pension war für Jozeph L. alles andere als einfach.

Das neunerhaus Café ist ein inklusiver Ort, der unbürokratische und niederschwellige Unterstützung für Menschen leistet, die von Armut, Obdach- oder Wohnungslosigkeit betroffen sind. Es heißt jede*n willkommen und schafft eine Atmosphäre, die zu Verweilen und Krafttanken in schwierigen Zeiten einlädt. Als Jozeph L. auf der Straße stand, kam er ins neunerhaus Café. Davor war er schon einmal im neunerhaus Gesundheitszentrum, das gleich nebenan liegt. Außerdem haben ihm Freund*innen und Bekannte erzählt, dass er mit seinen Fragen und Sorgen im neunerhaus Café willkommen ist – ein Team aus Sozial- und Peer-Arbeit widmet sich bei Bedarf den Anliegen der Besucher*innen.

Im neunerhaus Café trifft Jozeph L. auf Peer Jan C., der aus eigener Erfahrung, was es heißt, obdach- oder wohnungslos zu sein. Er wird zur wichtigen Ansprechperson für Jozeph L. Zuerst vermittelte er ihm einen Schlafplatz, damit er nicht auf der Straße schlafen muss und ging mit ihm die bürokratischen Schritte, um die Pensionsansprüche geltend zu machen. Das war gar nicht so einfach, fehlten Jozeph L. doch wichtige Dokumente, zu denen er aufgrund des folgenreichen Streits keinen Zugang hatte.

„Ich habe alles verloren, das war ein Wahnsinn. Alles, was ich aufgebaut habe, mein Haus, alles verloren. Ich habe 17 Jahre lang hier gearbeitet. Jan war meine Rettung.“

Familiäre Konflikte, ein Schlaganfall, bürokratische Hürden und fehlender leistbarer Wohnraum – Jozeph L. stand auf der Straße und suchte bei neunerhaus Unterstützung

Aktuell wohnt Jozeph L. in einem Chancenhaus, doch er will endlich alleine wohnen, die Tür hinter ihm zu machen, kommen und gehen können, wann er es will. Bei der Suche nach einer Housing First Wohnung unterstützt ihn Jan C. im Tandem mit einer Kollegin oder einem Kollegen der Sozialarbeit. Er kommt noch immer fast täglich ins neunerhaus Café. Er trifft Freund*innen und genießt seinen Kaffee – ohne Milch und ohne Zucker.


neunerhaus Café in Zahlen

Im neunerhaus Café zeigt sich, dass immer mehr Menschen unter Druck geraten, sich das Leben leisten zu können. Täglich finden bis zu 30 sozialarbeiterische Beratungen und Peer-Beratungen statt, 85 Mittagessen und knapp 200 Getränke werden gegen eine freiwillige Spende ausgegeben. Diese und weitere Zahlen haben wir im neunerhaus Jahresbericht 2025 zusammengefasst.

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