
Nach schwerer Krankheit und Wohnungsverlust verläuft das Leben von Jamshid N. heute wieder in geordneten Bahnen. In seiner eigenen Wohnung blickt er der Zukunft positiv entgegen.
Auf der Suche nach einer neuen Heimat
Jamshid N. führte ein normales Leben. Er arbeitete, bezahlte Miete, betrieb Sport, traf sich mit Freund*innen. Ein gutes Leben – nur unter schwierigeren Bedingungen. Vor etwa 20 Jahren kam der studierte Ökonom von Afghanistan nach Österreich. In Afghanistan herrschten damals schon Krieg, Unsicherheit und wirtschaftliche Not. Sein Studium wurde in Österreich nicht anerkannt und obwohl er sechs Sprachen spricht, verdiente er sich sein Einkommen in Niedriglohn-Jobs: als Hilfsarbeiter am Bau, in Security-Firmen, in Gärtnereien, Restaurants, in der Pharmaindustrie. Doch dann der Einschnitt: 2018 wurde bei Jamshid N. eine Krebserkrankung diagnostiziert. Mehrere Jahre mit vielen Behandlungen und Krankenhausaufenthalten waren notwendig. Die Erkrankung kostete ihn viel Kraft, der Blick nach vorne half ihm jedoch dabei, alles durchzustehen. Kurz nach der Genesung folgte der nächste Rückschlag: Die Eigentümerin seiner Wohnung meldete Eigenbedarf an. Sein Erspartes hatte er aufgrund seines krankheitsbedingten Arbeitsausfalls bereits aufgebraucht. Es fehlten ihm Mittel und Zeit, sich ein neues Zuhause zu suchen. „Es musste sehr schnell gehen“ ,erinnert er sich. Und plötzlich stand er auf der Straße.
„Ich war wohnungslos. Ich fühlte mich nicht mehr wie ein normaler Mensch.“
Jamshid N. lebte ein Jahr lang in einem Übergangsquartier.
Ein Zimmer mit Bett, Tisch und Schrank. Eine Gemeinschaftsdusche und eine Gemeinschaftsküche. Darauf beschränkte sich der Wohnraum von Jamshid N. für ein Jahr im Übergangsquartier. Er ist dankbar, dass er diesen Platz erhielt und nicht auf der Straße leben musste. Dorthin zurück will er aber unter keinen Umständen. Die Miete zu bezahlen hat für ihn oberste Priorität: „Ich muss nicht jeden Tag essen. Das Wichtigste ist, dass ich die Miete bezahlen kann.“ Seit drei Jahren lebt er in seiner Wohnung am Rande des 22. Wiener Gemeindebezirks. Vermittelt wurde sie ihm von neunerimmo, der Tochtergesellschaft von neunerhaus. Die Soziale Wohnbegleitung steht den Mieter*innen bei allen Fragen rund ums Thema Wohnen zur Seite. Doch viele Fragen hat Jamshid N. nicht. Er konzentriert sich auf seine Gesundheit, arbeitet aktuell als Koch in einer Pizzeria und möchte beruflich neue Wege einschlagen und eine Ausbildung zum Altenpfleger absolvieren. Er denkt wieder an seine Zukunft.
Wieder ein Zuhause finden
Viele Menschen sind in einer ähnlichen Situation wie Jamshid N. Mit Ihrer Unterstützung können wir ihnen die Chance auf einen Neuanfang geben.
Dieser Text erscheint in der 59. Ausgabe der neuner News – das Spendenmagazin von neunerhaus. Ihr Beitrag schreibt Geschichten.