
Trixi S. arbeitet bei neunerhaus. Eine schwierige Kindheit und psychische Erkrankungen hatten einen Kreislauf in Gang gesetzt, der vieles in ihrem Leben zu zerstören drohte. Immer wieder landete sie auf der Straße. Und immer wieder hat sie sich zurück ins Leben gekämpft. Sie selbst bezeichnet sich als „Stehauf-Manderl“. Die Arbeit als Peer gibt ihr heute die Stabilität, die sie braucht, um ihren Weg weiterzugehen. Ein Protokoll.
Ich bin unter schwierigen Verhältnissen groß geworden. Im Kleinkindalter wurde ich von meiner Mutter zur Adoption freigegeben, mit zwölf bin ich freiwillig in ein Heim gezogen. Mit 16 habe ich eine Lehre begonnen, aber nicht abgeschlossen. Ich war einfach überfordert und hatte das Gefühl, das ist nicht das Richtige für mich. Gleichzeitig wollte ich aber so viel werden. Dann kamen psychische Erkrankungen und ich musste stationär behandelt werden. Es folgte eine stabile Phase von zwei, drei Jahren, in der ich mein erstes Kind bekommen habe. Als die Partnerschaft vorüber war, habe ich die Wohnung verloren, weil sie allein nicht mehr leistbar war. Das Kind wurde fremd untergebracht, ich habe auf der Straße gewohnt. Ich war in diesem Rad drinnen. Ich hatte das Gefühl, ich komme da nicht raus, da kann ich machen, was ich will. Es ging ein paar Jahre gut, dann kam wieder eine Krise. Es war schwierig. Es waren hoffnungslose Zeiten. Aber egal wie oft ich hingefallen bin, wie oft ich neu anfangen musste; ich wollte dieses Rad durchbrechen, ich wollte nicht, dass meine Kinder ohne Mama aufwachsen.
Musik hat mir dabei geholfen. Wenn ich als Teenager Schwierigkeiten oder Probleme hatte, war Musik das, was mich aufgebaut und gerettet hat. In der Musik konnte ich meinen Ärger und Frust loswerden. Ich habe gelernt, Gitarre zu spielen und begonnen, selbst Lieder zu schreiben. Am Anfang habe ich hauptsächlich für mich und meine Kinder Musik gemacht. Aber es ist schon ein Traum von mir, ehrenamtlich für eine Organisation aufzutreten.
„Ich habe immer für meine Kinder gekämpft. Es ist die Hölle, wenn du mit deinem Kind auf dem Schoß beim psychischen Notdienst sitzt und dir wird gesagt, entweder du steigst in den Krankenwagen oder du siehst dein Kind nie wieder, weil der Zustand eine fahrlässige Gefährdung sei. Das ist ein Schock. Na, was tut man da? Man gibt das Kind ab und steigt in den Krankenwagen.“
Trixi S. spricht über das Tabu-Thema Kindesabnahmen.
Peer Arbeit in der Wohnungslosenhilfe
Als ich angefangen habe, hatte ich keine Vorstellung von meiner konkreten Arbeit (lacht). (In diesem Beitrag spricht sie über ihre Aufgaben als Peer bei neunerhaus). Ich war schon überglücklich, dass ich die Ausbildung am neunerhaus Peer Campus machen durfte, das war wirklich ein Lebenswandel. Das hat mir eine neue Welt eröffnet. Für alle anderen Jobs fehlte mir die Berufserfahrung, beziehungsweise war ich zu lange vom Arbeitsmarkt weg. Aufgrund von Kindern, Kindergarten und Krankheiten bin ich oft nicht über das Probemonat hinausgekommen. Die Arbeit bei neunerhaus gibt mir Sicherheit. Ich habe mein Gehalt. Ich kann Stromabrechnungen, Heizungsabrechnungen mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld bezahlen. Das gibt mir einfach extreme Sicherheit. Seitdem bin ich stabil.
„Ich bin immer sehr sehr klein und gebückt irgendwo gestanden. Ich habe mich nicht einmal getraut, mir in den Öffis einen Sitzplatz zu nehmen. Seit ich arbeite, ist das ganz anders. Seit ich arbeiten gehe, suche ich mir genauso meinen Sitzplatz. Mein Selbstwertgefühl ist sehr gestiegen, aber ich arbeite noch immer daran. Zu wissen, dass ich mit dem, was ich erlebt habe, jetzt anderen helfen darf – was Besseres hätte mir nicht passieren können.“
Seit 2023 arbeitet Trixi S. als Peer bei neunerhaus Housing First und Mobil betreutes Wohnen.
Psychische Gesundheit und Yellow September
Der Yellow September bezeichnet die Zeit zwischen dem Welttag der Suizidprävention (10.9.) und dem Welttag der psychischen Gesundheit (10.10.). neunerhaus nutzt den Awareness-Monat, um auf den Zusammenhang von Wohnungslosigkeit, sozialer Isolation, Einsamkeit und psychosozialer Gesundheit aufmerksam zu machen.
Mehr dazu: https://yellowseptember.at