
Wie ist rasche psychosoziale Hilfe für schwer belastete und ausgegrenzte Menschen möglich? Arne F., Psychiater und Teil der neunerhaus Praxis Psychische Gesundheit, gibt Antworten.
Seit 2021 gibt es die neunerhaus Praxis Psychische Gesundheit. Genauso lange ist Arne F. dort als Psychiater tätig. Gemeinsam mit einem weiteren Psychiater und drei Peer-Mitarbeiter*innen betreut er im neunerhaus Gesundheitszentrum Menschen, die psychisch belastet sind. Und das sind eigentlich die meisten: „Sie haben kein Geld, keine Bleibe und vielleicht keinen legalen Aufenthalt in Österreich“, so Arne F. Sie kommen mit körperlichen Beschwerden und Schmerzen in die Margaretenstraße 166. „Sie wissen oft gar nicht, an wen sie sich mit ihren psychischen Beschwerden wenden können. Wenn sie erfahren, dass es das bei uns gibt, nehmen sie es gerne an“, so der zweifache Vater.
Lücken schließen und Zeit zum Reden haben
Auch mit einer Krankenversicherung ist es nicht einfach, psychotherapeutische Hilfe dann zu bekommen, wenn man diese benötigt: Die Finanzierung und die verfügbaren Plätze sind begrenzt und an bürokratische Hürden geknüpft. Die Wartelisten sind lang. Für obdach- und wohnungslose sowie nichtversicherte Menschen ist es noch einmal schwieriger. Als Psychiater führt Arne F. Einzelgespräche, stellt Rezepte aus und gibt Medikamente aus. Zu Beginn steht jedoch etwas anderes: „Unser Auftrag ist es, zuerst einmal zuzuhören.“ Wie seine Kolleg*innen geht Arne F. auf die Menschen, die im neunerhaus Gesundheitszentrum auf ihre Untersuchung warten, zu. Viele Gespräche ergeben sich zwischen Tür und Angel – ohne Termin und ohne Druck. Nur so sei es möglich, Vertrauen aufzubauen, das für die weitere Zusammenarbeit mit der Zielgruppe grundlegend ist: „Alles, was wir hier im Gesundheitszentrum machen, funktioniert nur, weil wir eine gute zwischenmenschliche Beziehung und Verbindungschaffen.“ Dass dieser Ansatz erfolgreich ist, erlebt Arne F. jeden Tag: „Hier landet die Hilfegenau dort, wo sie gebraucht wird.“
Dieser Text erschien in der 60. Ausgabe der neuner News – das Spendenmagazin von neunerhaus. Ihr Beitrag schreibt Geschichten.
Eine Spende ist mehr als eine finanzielle Unterstützung
Gute Behandlung beginnt nicht erst in der Arztpraxis. Sie beginnt dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Deshalb ist jede Spende mehr als eine finanzielle Unterstützung. Sie ist eine Entscheidung dafür, Menschen gut zu behandeln. Herr L. verlor seine Arbeit, seine Wohnung und schließlich auch seine Krankenversicherung. Heute ist er wieder versichert und seine Gesundheit hat sich stabilisiert.