Warum Kälte nicht alle gleich trifft

Kälte kann eine Gefahr für die körperliche und psychische Gesundheit darstellen. Obdach- und wohnungslose sowie von Armut betroffene Menschen sind ihr besonders ausgesetzt. Im Folgenden erklären wir, warum in der Kälte soziale Ungleichheiten sichtbar werden.

Wohnen: Wenn die eigenen vier Wände nicht warm halten

Einkommen und Wohnen stehen in einem unmittelbaren Zusammenhang. Das zeigt sich besonders im Winter. Wer von Armut betroffen ist, kann sich die hohen Heiz- und Energiekosten oft nicht oder nur sehr schwer leisten. Betroffene wohnen eher in schlecht isolierten Wohnungen, die nicht ausreichend geheizt werden und in denen sich Schimmel bilden kann. Manche haben gar kein schützendes Dach über dem Kopf, leben auf der Straße, ziehen von Couch zu Couch oder kommen in Notquartieren unter.

In Österreich sind 358.000 Menschen von Energiearmut betroffen, sie können ihre Wohnung nicht ausreichend warmhalten. Eine kalte Wohnung bedeutet eine hohe Belastung für Körper und Psyche. Sie kann zu Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen führen und dauerhaften Stress auslösen. Energiearmut erhöht das Risiko von Depressionen und Angstzuständen (Koordinierungsstelle zur Bekämpfung von Energiearmut).

Gesundheit: Kälte als unsichtbarer Krankmacher

Im Winter stellt die Kälte eine besondere Herausforderung für die körperliche und auch psychische Gesundheit dar. Für obdach- und wohnungslose Menschen einmal mehr, weil sie im Krankheitsfall oftmals keinen Rückzugsort haben, an dem sie wieder gesund werden und zu Kräften kommen können. Gerade ältere Patient*innen im neunerhaus Gesundheitszentrum spüren die Kälte besonders, wenn sie beispielsweise Gewicht verloren haben. Viele Patient*innen im neunerhaus Gesundheitszentrum kommen mit einer chronischen Wunde. Das bedeutet, dass die Wunde seit Wochen oder Monaten nicht verheilt ist. Durch nasse Kleidung, die nicht gewechselt oder getrocknet werden kann, wird die Wundheilung zusätzlich erschwert.

Obdach- und wohnungslose Menschen sind meist psychisch belastet. Die Kälte wirkt dabei wie ein Verstärker: Kann ich mich ausreichend wärmen? Finde ich einen Schlafplatz? Reicht meine Jacke für die nächste Kältewelle? Wo kann ich meine Kleidung trocknen, wenn sie nass ist?

Soziales Leben: Beziehungen wärmen und tun gut

Soziale Kontakte geben Halt, reduzieren Stress und können im Krisenfall sogar lebensrettend sein. Soziale Isolation hingegen verstärkt Ängste, Depressionen und das Gefühl der Perspektivlosigkeit – besonders in den kalten Monaten. Zwar stellt auch die Hitze im Sommer eine reale Gefahr für obdach- und wohnungslose Menschen (hier mehr darüber) dar, dennoch schwindet mit der Kälte auch die Möglichkeit, sich draußen mit Leuten zu treffen. Zu kalt, zu nass, zu dunkel. Wer kein Geld hat, hat meist auch keinen Zutritt zu warmen Räumen und Orten, die frei von Stigmatisierung sind. Betroffene schämen sich oftmals für ihre Situation. So war es auch bei Frau S.: „Ich habe mich zuerst nicht hineingetraut, weil ich mich so geschämt habe. Geschämt dafür, auf Hilfe angewiesen zu sein.“ Die pensionierte Wienerin hat sich dann doch ins neunerhaus Café getraut und kommt seither regelmäßig in die Margaretenstraße 166. Auf einen Café, auf einen Plausch mit den anderen Besucher*innen oder um gemeinsam mit den Sozialarbeiter*innen Anrufe zu tätigen.


Jede Spende macht einen Unterschied

Wer kein Zuhause hat, ist im Winter der Kälte, der Dunkelheit und der Einsamkeit schutzlos ausgeliefert. Darum rücken wir im Winter noch näher zusammen.

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In der neuen Kampagne #ÜberLebenReden kommen Menschen zu Wort, die wohnungs- oder obdachlos waren. Sie erzählen in kurzen Videos von ihren ganz persönlichen Erlebnissen und Begegnungen.