20 Jahre Gesundheit für alle.
Medizinische Versorgung für obdachlose, wohnungslose und nichtversicherte Menschen
Im neunerhaus Gesundheitszentrum finden obdach-, wohnungslose und nichtversicherte Menschen allgemeinmedizinische, zahnmedizinische, psychosoziale und sozialarbeiterische Unterstützung – kostenlos, unbürokratisch und niederschwellig. Ohne Anmeldung, bei Bedarf anonym und mit Videodolmetsch in vielen Sprachen schaffen wir Zugänge für Menschen, die im bestehenden System oft auf Hürden und Ausschlüsse stoßen. Zusätzlich sind Ärzt*innen in vielen Einrichtungen der Wiener Wohnungslosenhilfe aufsuchend im Einsatz und über das neunerhaus Gesundheitstelefon erreichbar.
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Eine niederschwellige, möglichst barrierefreie und rechtzeitige Gesundheitsversorgung wirkt sich nicht nur auf die Gesundheit einzelner aus, sie stärkt gesellschaftliche Teilhabe, hat positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und erspart oft hohe Folgekosten für Akutbehandlungen.“
– Stephan Gremmel, Geschäftsführung neunerhaus Gesundheit
Unsere Angebote sind vielfältig.
Darüber hinaus sind Gesundheitsangebote bei neunerhaus in allen Bereichen fest verankert.
So arbeiten Fachkräfte für psychosoziale Gesundheit in den Teams von neunerhaus Housing First und Mobil Betreutes Wohnen und Gesundheitsfachkräfte in den neunerhaus Wohnhäusern. Auch in der niederschwelligen Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung setzt neunerhaus auf innovative Ansätze. Dazu zählen:
- Social Prescribing (GÖG) als neuer Zugang zur Gesundheitsförderung
- GUSTA, ein vom Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) und der Wiener Gesundheitsförderung (WiG) gefördertes Projekt im neunerhaus Café zu gesunder Ernährung und Gemeinschaftsverpflegung
- die Sprecher*innenfunktion in der Plattform Zukunft Psychiatrie
Ergänzt wird dieses Angebot durch das neunerhaus Fachärzt*innen-Netzwerk sowie zahlreiche weitere Kooperationen, die die professionelle Versorgung unserer Zielgruppen wesentlich erweitern.
Stimmen aus der Praxis
Nicht nur ein medizinisches Problem
Wer ins neunerhaus Gesundheitszentrum kommt, hat selten nur ein medizinisches Problem. Das Gesundheitszentrum kurz erklärt.
Scham spielt eine große Rolle
Wie leben obdach- und wohnungslose Frauen mit Krankheit? Sozialarbeiterin Theresia U. berichtet aus dem neunerhaus Gesundheitszentrum.
Zuwendung statt Ausgrenzung
Wer von medizinischer Versorgung ausgeschlossen ist, leidet nicht nur unter Wunden, die nicht mehr heilen, weiß Sandra H., Pflegerin bei neunerhaus.
Laut im Kopf: Depressionen
„Der Kopf rennt heiß“, beschreibt Markus K. seine Depression. Der Bewohner des neunerhaus Hagenmüllergasse spricht offen über das Tabu-Thema.
Das neunerhaus Gesundheitszentrum
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Mehr Informationen„Wer bei uns durch die Tür kommt, bringt meistens einen Rucksack voller Probleme mit.“
Gut erreichbar
Das neunerhaus Gesundheitszentrum in der Margaretenstraße 166, 1050 Wien, ist gut öffentlich erreichbar – mit der U4 bis Margaretengürtel, den Straßenbahnlinien 6 und 18 sowie den Buslinien 12A und 59A.
Barrierfreier Zugang
Unser Gesundheitszentrum ist ebenerdig erreichbar. Eine kleine Rampe mit Handlauf erleichtert den Zugang. Vor Ort gibt es ein barrierefreies WC sowie großzügige Räume mit ausreichend Platz für Rollstühle und Rollatoren.
Das neunerhaus Policy Paper: "Gesundheitsversorgung für alle"
Das neunerhaus Policy Paper „Gesundheitsversorgung für alle“ zeigt drei zentrale Ausschlüsse im Gesundheitssystem auf, von denen insbesondere Menschen betroffen sind, die obdachlos, wohnungslos und nicht krankenversichert sind, sowieso andere strukturell benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Es thematisiert auch notwendige Maßnahmen, um eine niederschwellige und integrierte Gesundheitsversorgung für alle zu gestalten.
Rechtlich gesicherter Zugang
Es braucht eine langfristige, einheitliche gesetzliche Regelung, die Zugang zu Gesundheitsversorgung für alle in Österreich lebenden Menschen sichert. In einem ersten Schritt sollen Kinder bis zum 18. Lebensjahr und schwangere Frauen in die Krankenversicherung aufgenommen werden. Zudem müssen bürokratische Hürden bei der Klärung und Geltendmachung von Ansprüchen abgebaut werden.
Niederschwelliger Zugang
Sozialarbeit und Peer-Arbeit sollen fester Bestandteil interdisziplinärer Teams sein. Niederschwellige psychiatrische und psychosoziale Angebote müssen ausgebaut werden. Auch Social Prescribing, professionelle Dolmetschleistungen, analoge Alternativen zur Digitalisierung sowie einfachere Prozesse für finanzielle Unterstützung und Kostenübernahmen sollen gestärkt werden.
Zugang zu integrierter Versorgung
Es braucht Finanzierungssicherheit und angepasste Förderstrukturen für Menschen mit multiplen Problemlagen. Die Zusammenarbeit zwischen Wohnungslosenhilfe, Gesundheitsversorgung, Psychiatrie und Suchthilfe muss verbessert werden. Wirksame Formen der Zusammenarbeit und bedarfsgerechte Pflegeangebote sollen ausgebaut und klare Zuständigkeiten gestärkt werden.
Weitere Publikationen
Einblicke in die tägliche Arbeit
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Die Zeichen waren da: Ich hatte offene Wunden im Mund, ich konnte kaum essen, die Zunge war kaputt. Ich habe geweint, war bei fünf Zahnärzten, aber keiner hat etwas gemacht, bis auf die Ärztin von neunerhaus. Sie hat mich gerettet“
– Ondina R., litt unter akuter Blutarmut
Ihre Spende macht gesund.
Keine Risiken. Keine Nebenwirkungen.
Krankheit, Zahnschmerzen, Prothesen, offene, nicht heilen wollende Wunden, psychische Belastung, wiederkehrende Infekte, Kinder- und vor allem Frauenheilkunde: Bei neunerhaus werden jährlich knapp 6.000 obdach- und wohnungslose nichtversicherte Menschen medizinisch versorgt – Tendenz steigend.
Unser (unglaublich großartiges) Team an zum Teil ehrenamtlichen Ärzt*innen behandelt täglich obdach- und wohnungslose Menschen auf Augenhöhe, kostenlos und bei Bedarf anonym.
Was Sie tun können?
- Mit 40 Euro unterstützen Sie einen Monat lang die Versorgung mit lebensnotwendigen Medikamenten im pflegerischen Angebot mit Schwerpunkt Wundmanagement.
- Mit 70 Euro sind sie da: Die neunerhaus Sozialarbeiter*innen helfen einem wohnungslosen Menschen mit professioneller und entlastender Beratung in der Praxis Psychische Gesundheit.
- Mit 100 Euro unterstützen Sie uns bei einer Zahn- und Kieferbehandlung in der neunerhaus Zahnarztpraxis.
- Mit 500 Euro bewahren Sie 10 Personen vor ansteckenden Krankheiten durch einen Impfschutz.
- Mit einem Dauerauftrag (egal in welcher Höhe) sichern Sie unser Angebot langfristig!
Ihre Spende wirkt dort, wo sie am meisten gebraucht wird:
Um unsere Arbeit nachhaltig zu sichern sind wir auf Spenden angewiesen! Und jeder Euro macht einen Unterschied.
Sie können beim Spenden gerne ein Thema auswählen, das Ihnen besonders am Herzen liegt. Auf eine formale Zweckwidmung einzelner Spendenbeträge verzichten wir jedoch, um den Verwaltungsaufwand gering zu halten. So fließt Ihre Spende direkt in die Arbeit von neunerhaus – genau dorthin, wo sie aktuell am dringendsten benötigt wird.
Häufig gestellte Fragen
In Österreich sind über 20.000 Menschen von Wohnungs- oder Obdachlosigkeit betroffen. Insgesamt liegt der Anteil an obdach- und wohnungslosen Frauen bei etwa einem Drittel.
Österreich: 21 073 Personen, davon 6.629 Frauen = 31.5 %
Wien: 11 512 Personen, davon 3.721 Frauen = 32.33 %
Erfasst sind jedoch nur jene Frauen, die als wohnungslos registriert sind – weil sie zum Beispiel Angebote der Wohnungslosenhilfe in Anspruch nehmen. Wie viele Frauen also tatsächlich obdach- oder wohnungslos sind, liegt im Dunkeln.
Obdach- und Wohnungslosigkeit in Zahlen.
Verdeckte Wohnungslosigkeit bedeutet, dass ein Mensch keine eigene feste Unterkunft hat, aber nicht sichtbar auf der Straße lebt. Stattdessen kommt die Person vorübergehend bei Freundinnen, Verwandten oder Bekannten unter, gilt dabei als Couchsurferin, schläft in unsicheren Wohnsituationen.
Frauen versuchen oft sehr lange, den Anschein der Normalität zu wahren. Scham und Schuldgefühle spielen hier eine große Rolle. Wenn Kinder involviert sind, erhöht sich der Druck und die Angst vor Kindsabnahmen. Ihr Durchhaltevermögen, ihre Leidensfähigkeit ist enorm, sie halten Gewalt in Beziehungen aus, nur um nicht auf der Straße zu landen. Hinzu kommt, dass sie sich in vielen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe nicht sicher fühlen.
Dadurch kommen sie häufig nicht mit der Wohnungslosenhilfe in Berührung. Dadurch sind sie auch statistisch schwerer zu erfassen. Diese Form der Wohnungslosigkeit nennt man auch verdeckte Wohnungslosigkeit.
Frauenspezifische Wohnungslosigkeit und Gewalt gegen Frauen stehen in einem engen wechselseitigen Zusammenhang: Gewalt ist sowohl eine Ursache als auch eine Folge von Wohnungslosigkeit.
Gewalt als Auslöser von Wohnungslosigkeit
Viele Frauen verlieren ihre Wohnung, weil sie vor Gewalt fliehen müssen. Häufig fehlt leistbarer Wohnraum oder langfristige Schutzplätze. Ohne ausreichende Absicherung bedeutet das Verlassen des Täters oft den Verlust einer finanziellen Absicherung.
Wohnungslosigkeit erhöht das Gewaltrisiko
Ohne geschützten Wohnraum steigt die Gefahr für Übergriffe deutlich:
- auf der Straße
- in gemischtgeschlechtlichen Notquartieren
- in prekären Abhängigkeiten („Wohnen gegen Gefälligkeiten“)
Viele Frauen* vermeiden deshalb sichtbare Obdachlosigkeit und bleiben in Gewaltbeziehungen oder instabilen Wohnsituationen – ein Phänomen, das als verdeckte Wohnungslosigkeit bezeichnet wird.
Gewalt gegen Frauen in Zahlen:
- Jede dritte Frau (34,51 %) im Alter von 18 bis 74 Jahren in Österreich hat in ihrem Erwachsenen- Leben (15 Jahre und älter) körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt.
- 27 % außerhalb von intimen Beziehungen
- 16 % innerhalb von intimen Beziehungen
- 23.5 % Körperliche Gewalt (erlebt ab dem Alter von 15 Jahren)
- 23.8 % sexuelle Gewalt (erlebt ab 15)
- 26.6 % sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz
Das zeigt die Erhebung „Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen und andere Formen von interpersoneller Gewalt“, die von Statistik Austria durchgeführt wurde.
2025 gab es in Österreich 15 mutmaßliche Femizide und 34 Mordversuche an Frauen.
Quelle: Die Femizide des Jahres 2025 in Österreich (Moment.at)
Niedrigere Einkommen, Care-Arbeit, Altersarmut und fehlender leistbarer Wohnraum drängen Frauen an ihr Existenzminimum/gefährdet ihre sichere Existenz und führt dazu, dass sie in Gewaltverhältnissen bleiben/Gewalt aushalten.
Dadurch entsteht ein Kreislauf aus Gewalt, Abhängigkeit und Wohnungsverlust.
Frauenspezifische Wohnungslosigkeit ist eng mit struktureller Armut verbunden. Frauen verfügen im Durchschnitt über deutlich geringere finanzielle Ressourcen. Dadurch haben sie weniger Rücklagen und geringere Absicherung bei Krisen.
Besonders betroffen sind:
- alleinlebende Frauen im Alter
- Alleinerzieherinnen
- Frauen* nach Trennungen oder Gewaltbeziehungen
Niedrigere Einkommen, Teilzeitbeschäftigung und Pensionslücken führen dazu, dass steigende Wohnkosten schneller existenzbedrohend werden. Gleichzeitig erschwert finanzielle Abhängigkeit den Ausstieg aus Gewaltverhältnissen.
Wohnungslosigkeit ist daher oft kein plötzliches Ereignis, sondern das Ergebnis langfristiger struktureller Benachteiligung. Armut, Gewalt und fehlender Zugang zu leistbarem Wohnraum greifen ineinander und verstärken sich gegenseitig.
Gleichstellung in Zahlen
- 33 % weniger Gehalt verdienen Frauen im Schnitt. 12% bei Vollzeitbeschäftigung. Trotz höherem Bildungsgrad!
- 165 Jahre bis zur Einkommensgerechtigkeit (Jahr 2189)
- 42 Tage arbeiten Frauen gratis!
Quelle: Moment-Institut und der Standard.
Angebote der Wohnungslosenhilfe erreichen Frauen oft nicht in ihrer existenziellen Notlage. In den klassischen Notquartieren in Wien sind nur etwa 17% Frauen. Es fehlt an spezifischen Angeboten, die den Bedürfnissen von Frauen und oft auch ihren Kindern gerecht werden und ihnen den dringend benötigten Schutzraum bieten. Die beste Lösung: Housing First.
Housing First kehrt das lange gängige Stufenmodell der Wohnungslosenhilfe um, das davon ausging, obdach- und wohnungslose Menschen sollten in betreuten Wohnhäusern oder Übergangswohnungen an ein eigenständiges Wohnen herangeführt werden. Bei Housing First kommt zuerst die eigene Wohnung, dann alles andere.
neunerhaus hat 2012 das international erfolgreiche Modell Housing First nach Wien gebracht. Seither haben mit neunerhaus rund 650 Menschen, davon 277 Kinder, ein neues Zuhause gefunden.
Frauen bleiben vielen Angeboten der Wohnungslosenhilfe fern, weil sie sich dort nicht sicher fühlen oder die Hemmschwelle zu groß ist, Hilfe zu suchen. In der offiziellen Statistik machen Frauen rund ein Drittel der Betroffenen aus – bei deutlich höherer Dunkelziffer.
Bei neunerhaus setzen wir deshalb auf gendersensibles Arbeiten in allen Angeboten, auf vertrauensvolle Beziehungen und auf Mitarbeiter*innen, die im Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt sensibilisiert sind. Es gibt geschützte Bereiche nur für Frauen in der Billrothstraße, kostenlose Hygieneartikel sowie frauenspezifische Gruppenangebote durch eine Peer-Kollegin. In den Wohnhäusern arbeiten wir außerdem mit spezialisierten externen Angeboten, etwa psychologischer Beratung durch FEM/MEN, zusammen.
So erreichen wir in vielen neunerhaus Angeboten überdurchschnittlich viele Frauen.
2025 in Zahlen:
- 44 % (451 Frauen) in allen Wohnangeboten
- 47 % (365 Frauen) bei Housing First und mobil betreutem Wohnen
- 39 % (2.066 Frauen) im Gesundheitszentrum
- 1.618 Gespräche mit Frauen im Café (42 %)
- 52 Absolventinnen am Peer Campus (42 %)
Kontakt
- +43 1 990 09 09 500
- arztpraxis@neunerhaus.at
- Margaretenstraße 166/EG 1050 Wien
Öffnungszeiten
Montag bis Freitag: 9:00 – 13:00 Uhr
Dienstag: 9:00 – 13:00 Uhr und 14:00 – 18:00
An Feiertagen geschlossen.
Das neunerhaus Gesundheitszentrum wird vom Fonds Soziales Wien gefördert und ist Vertragspartner der Österreichischen Gesundheitskasse.
Ein Projekt zur Umsetzung von Social Prescribing wird gefördert von der Gesundheit Österreich GmbH aus Mitteln der Agenda Gesundheitsförderung.